Audi Q5 Quattro - Bild: Sandra Schink

30 Grad im Schatten, 40 Grad in der brennenden Sonne. Drumherum Wüste mit karger Bepflanzung. Staubige und miese Straßenverhältnisse. Willkommen in Baja California, der knalleheißen Halbinsel Mexikos mit 350 Sonnentagen pro Jahr. Von all dem bemerkt man im neuen Audi Q5 nicht wirklich etwas. Die Klimaanlage hält die Hitze und den Staub außen vor, das luftgefederte Fahrwerk dämpft die ekligen Straßenverhältnisse komfortabel weg und der dynamische Allrad-Antrieb hält den Wagen trotz sandigem Untergrund auf Spur. Willkommen in einem Premiumfahrzeug, das erst bei derartigen Bedingungen seine ganze Stärken ausspielt, die sich Audi gut bezahlen lässt. Man kann sich gut vorstellen, wie das Fahrzeug in Deutschland widrige Wetterlagen, kaputte Straßenbeläge und lange Autobahnfahrten zum Frühstück verputzt. Klar, natürlich können das auch Wettbewerber wie Mercedes und BMW für sich in Anspruch nehmen. Die Luft im Premiumbereich ist dünn, Unterschiede machen sich kaum bemerkbar. Aber eines fällt in der Tat besonders auf: Es geht egal bei welcher Fahrsituation im Innenraum flüsterleise zu, egal ob ein Otto- oder Dieselmotor vorne eingebaut ist. So habe ich das noch bei keinem Fahrzeug in diesem Segment der SUVs bemerkt.

Unterschiede zum Vorgänger

Im Vergleich zum Vorgängermodell hat sich beim äußeren Design auf den entfernten Blick vermeintlich nicht viel getan. Behaupten viele Medienberichte. Ich finde, das kann so nicht durchgehen. Der neue Q5 ist deutlich markanter geschnitten, wirkt bei Weitem nicht mehr so glattgerundet und durchgeleckt. Die gesamte Form macht einen dynamischeren Eindruck, verliert dabei an Wuchtigkeit. Ein äußerst gelungener Designschnitt zum alten Q5. Das jetzige Design passt viel besser in die heutige Zeit. Wer hingegen barockere und verspieltere Blechkleider bevorzugt, der kann einen Blick auf die Sternen-SUVs werfen. Für Liebhaber der ausgeprägten Aggro-Fronten findet sich auch etwas: Der BMW X5 wird vielleicht die Freunde der Linksblinkerei begeistern können. So gesehen findet sich zu jedem Premium-Töpfchen ein Deckelchen.

Audi Q5 - Seitenansicht - Bild: Sandra Schink

Speziell die Single-Frame-Kühlerhasser werden natürlich aufschreien und meckern: „Schon wieder, können die auch was Neues?“. Ich bin da völlig Mecker-resistent. Und mit Blick auf die Bestellzahlen des bisherigen Q5 (die deutlich vor vergleichbaren Mercedes- und BMW Modellen liegen: Zu den unmittelbaren Wettbewerbern zählen der BMW X3 und der Mercedes Benz GLC. Im erweiterten Umfeld kommen auch der Volvo XC60 und der Jaguar F-Pace hinzu. Es handelt sich hier um das B-Premiumsegment. Im Vergleich mit diesen Wettbewerbern ist der Q5 in Deutschland auch 2016 das meistverkaufte Modell, per Stand November 2016) wurmt das niemanden außer den Fans der ständigen Design-Herumgurkerei. Im Wechsel liegt weder das Heil noch der Segen. Meine Meinung! Der neue Q5 wird sich nicht schlechter als der alte Q5 verkaufen. Das steht jetzt schon fast langweilig fest. Er ist in allen Belangen der bessere Q5. Zumal das Segment der SUVs / Geländewagen auch 2016 einen deutlichen Zuwachs genossen hat: +36% mehr Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr (Jan-Okt 15). Und der Trend hält weiter an! Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern für Gesamteuropa. Wer dann immer noch gerne eine andere Super-Single-Frame-Nase haben möchte: Die Tuner warten und sind sicher für jede Verschandelung zu haben.

Audi Q5 - Frontansicht - Bild: Sandra Schink

Was den Innenraum angeht, dürfen sich Q5 Vorbesitzer freuen: Sie erhalten endlich den neuen Innenraum, der sich auch in den Reihen A3, A6, A4, Q3 und Q7 wiederfindet. Nur A8-Fans müssen sich bis nächstes Jahr gedulden, um endlich Abschied von dem altbackenen Cockpit nehmen zu können. Kurzum: Ästhetiker und Minimalisten werden den Innenraum des Q5 lieben. Der mit zum besten gehört, betrachtet man die Innenräume über alle Automarken hinweg. Was ist aber mit der eigentlichen Platz- und Kopffreiheit? Im Q5 ist das kein Thema. Antwort: Genug! Ob vorne oder hinten. Auch Großgewachsene und Sitzriesen haben nichts zu meckern. Wem das immer noch nicht genug ist, der darf dann zum Q7 greifen. Wem alles zuviel ist, der spart mit dem Q3. Allerdings muss man beim neuen Q5 dazusagen, dass sich nicht viel gegenüber dem Vorgänger getan hat: Die Unterschiede sind marginal, was die Platzverhältnisse angeht.

Audi Q5 - Innenraum Cockpit - Bild: Sandra Schink

Komfort und Sicherheit: Fahrwerk und Allradantrieb

Typisch Audi wurde hier geklotzt statt gekleckert. Die Aufpreisliste ist ebenso gewagt wie vollumfänglich. Zählen wir die Helferlein auf: Das Audi pre sense city (bis 85 km/h) fungiert selbstredend bremsend inkl. einer erweiterten Bremsautomatik, um beim Crash das gefährliche Schleudern zu vermeiden, das zu weiteren Kollisionen führen kann. Der Müdigkeitsassistent warnt den einschlummernden Fahrer. Die ACC-Anlage kann von 0 bis 250 km/h inklusive Stop&Go bei Staufahrten das Tempo und den Abstand dynamisch halten. Audi pre sense front leitet bei Kollisionsgefahren bis zu 250 km/h Warnungen ein, strafft die Gurte, fährt die Scheiben hoch und geht auch zur Not volle Kanne in die Eisen, wenn der Fahrer weiterhin pennt. Der prädiktive Effizienzassistent gehört zu einem der fortschrittlichsten Assistenzsystemen auf dem Markt der Automobile. Er kann die Topologie der Strecke sowie Tempolimits und den Verkehrsfluss berücksichtigen. Der Fahrer kann Signalhinweisen folgen, wie er das Gaspedal streicheln soll („geh vom Gas, vorne um die Kurve kommt die Ortseinfahrt“). Klingt kompliziert, ist aber supereasy. Wer es total bequem mag, kann das System bremsen und beschleunigen lassen. Egal wo, selbst im Kreiselverkehr. Der active lane assist hält den Audi in Spur, lenkt automatisch mittig mit. Und ist mit dem Ausweichassistenten verbunden (das System lenkt und bremst ausweichend mit. Obendrauf gibts den Abbiegeassistenten und Querassistenten dazu, die vor querenden Fahrzeugen und Radfahrern beim Ausparken und Abbiegen warnen. Auch selbstständig bremsen. Der Totwinkelwarner versucht beim Abbiegen einzugreifen: Vorsicht, Motorradfahrer! Wer mal unaufmerskam aussteigt, dem hilft die Ausstiegswarnung. Einparkhilfe? Ja, gewiss, gibts auch. Für Quer- und Länngsparker.  Eine weitere Besonderheit und Neuheit ist das lernende Navigationssystem: Das merkt sich die üblichen Fahrten, passt sich an die Routen des Fahrers an und empfiehlt dann mit der Zeit bessere falls sinnvoll schnellere Ausweichstrecken, selbst wenn man die Zielführung nicht eingeschaltet hat.

 

Audi Q5 -Assistenzsysteme - Foto: AUDI AG

Neu ist für Q5-Fahrer das optionale Luftfederfahrwerk und das dynamische Allrad-System. Die Luftfederung reguliert sich automatisch, je nach Strecke und Beladungszustand. Gerade für diejenigen, die öfters lange Fahrten haben, auf ungemütlichen Strecken und / oder vollbeladen unterwegs sind, ist diese Art der Federung ideal. Alle anderen sollten es sich dreimal überlegen, ob ihnen die rund +2.000 Euro wert sind. Die herkömmlichen Fahrwerkssysteme sind bereits für sich extrem gut. Wobei nicht unerwähnt sei, dass die Sternchen aus Stuttgart in der Regel komfortabler und weicher abgestimmt sind. Audi stand schon immer für eine straffere Abstimmung. Mit der Luftfederung können nun auch Audianer sternchen-artig unterwegs sein. Was nicht heißt, dass die straffe Dämpfung nicht mehr einstellbar wäre! Sagen wir es so: Die Breite an Komforteinstellungen hat schlichtweg zugenommen. Von miesen Offroadstrecken (die ganz miesesten und gemeinsten Strecken bleiben der Mercedes G-Klasse oder einem VW Amarok vorbehalten, klar!) bis hin zu baby-popo-weichen Straßenbelägen kann der Q5 passend eingestellt werden. Oder sich selbst einstellen.

 

Audi Q5 - Quattro Ultra - Bild: Sandra Schink

 

Audi Q5 Luftfederung - Bild: AUDI AG

 

Eine Besonderheit stellt der Abschied vom permanenten Allradantrieb dar: Wer nicht just den größten Motor (3.0 TDI) bestellt, wird mit einem zuschaltbaren Allradantrieb vorlieb nehmen. Von Haus aus. Audi nennt die neue Antriebstechnik „Quattro Ultra“. Da Prinzip ist im Grunde genommen simpel erklärt: Der Hinterradantrieb wird je nach Fahrsituation dynamisch in Sekundenbruchteilen dazugeschaltet. Auch prädiktiv: Sobald die Sensorik bemerkt, dass bei entsprechenden Kurvengeschwindigkeiten demnächst der Allradantrieb sicherer ist, macht es für den Fahrer unbemerkt „klack“ und die hintere Kupplung wird wieder eingeklinkt. Das bedeutet zugleich, sobald nur der Vorderradantrieb greift, dass die hintere Antriebseinheit komplett stillsteht (was andere, dynamische Allradler so nicht anbieten!). Ergo weniger Reibung = weniger Verbrauch. Audi verspricht rund 0,3 Liter auf 100 Kilometer. Was eine ordentliche Effizienzsteigerung darstellt. Gerade bei langen, stetigen Autobahnfahrten muss kein Mensch alle Räder antreiben lassen. Dem Unsinn haben die Ingenieure endlich den Garaus gemacht. Die Entwicklung hat rund fünf Jahre gedauert, bis es nun endlich in Serie verfügbar ist und die Audi A4-Fahrer bereits unbemerkt genießen dürfen. Ein Hinweis am Rande: Audi-Modelle mit leistungsstarken Motoren werden weiterhin den permanenten Allradantrieb nutzen müssen. Die Kraftentfaltung und -einwirkung würde die Verbrauchsvorteile des Quattro Ultra aufwiegen. Fette Kisten, fetter Antrieb? So ungefähr.

 

Was sagen die Macher des neuen Audi Q5?

Wir haben im folgenden Video den Fahrwerker, den Motorenbauer, den Allradler und den Elektroniker zu Wort kommen lassen. Die uns aus ihrer Sicht die neuen Merkmale des Q5 schildern:

 

Spezifikationen

Ich finde es immer nervtötend, wenn man die Specs eines Wagen stumpf kopiert. Daher: Einfach hier entlang und wühlen, wühlen, wühlen.

Resümee

Ein Resümee ohne Kritik am Fahrzeug ist einseitig. Daher gilt: Audi lässt den Wagen in Mexiko zusammenbauen. Angesichts der deutlich geringeren Arbeitskosten je Stunde ist es durchaus eine berechtigte Frage, warum die Kunden in Deutschland davon nichts zu spüren bekommen. Rendite hin, Rendite her. Die Aufpreisliste von Audi ist zudem ein großer Knackpunkt. Audi ist zu gierig im Sinne der Billigpreis-Aufmerksamkeitseffekte geworden. Was ich damit meine? Was soll der Unsinn, einen Wagen mit 40.000 Euro auszupreisen? Hauptsache günstig tun, wo das doch niemand mehr ernst nimmt? Mal unter uns: Kein Mensch will wirklich einen nackten Audi Q5 fahren, der ohne Sonderausstattung wie ein hässliches Entlein von außen anzuschauen ist, innen karg wie die mexikanische Wüste daherkommt und ohne all die tollen und wichtigen Assistenzsysteme wie ein Netz ohne doppelten Boden zu fahren ist, wenn es um das markante Sicherheitsplus geht.  Einige wenige Klicks im Konfigurator und schon landet man bei +70.000 Euro. Ja, auch Daimler und BMW sind ebenso wenig vorbildlich unterwegs. Man darf sich durchaus fragen, was der Unsinn mit den „greifen sie zu, billig billig ab…“ soll, wenn man zum Basispreis locker 30% – 50% dazurechnen kann? Um auf den echten Preis zu kommen. Das erinnert an die Sonderpreisarien von Billig-Pauschaltouristikern oder auch Mobilfunkern. Die gerne die echten Preise hinter tausend Optionen verstecken. Ich finde, ein Premiumanbieter hat den Schmarrn nicht wirklich nötig. Und es steht ihm nicht gut zu Gesicht! Diese Preispolitik und Werbestrategie ist mehr als peinlich! Was dem exzellenten Gesamtprodukt und der Ingenieursleistung nur schadet. Zu viel BWLer und Werber, die sich bei Audi einmischen? Es wird Zeit, diese Unart zu überdenken.

Round about fährt sich der Wagen state-of-the-art. Ob man nun die Assistenzsysteme in Augenschein nimmt, den Fahrkomfort, die Platzverhältnisse oder auch die Qualität des Innenraums. Klar, viele unken, dass doch der neue Skoda Kodiaq ein weitaus rationaleres SUV-Auto mit einem wesentlich besserem Preis-Leistungsverhältnis zu verdammt guter Qualität aus dem VW-Konzernrgal zu haben ist. Ja, sicher. Nur merkt man an allen Ecken und Ende die gewissen Unterschiede hinsichtlich Verarbeitung, Qualität und Fahrverhalten. Die Summe macht es dann doch aus am Ende. Wem das alles nicht so wichtig ist, dass es bis zum letzten i-Punkt ausgefeilt umgesetzt wurde, der greift eben nicht zu einer Premiummarke. Nach oben hin betrachtet dürfen sich sowohl Benz- als auch BMW warm anziehen. In seinem Segment ist der Q5 eine Benchmark, die man erstmal so übertreffen muss. Mich hat vor allen Dingen der Innenraum, das Virtual Cockpit, die extreme Geräuscharmut und das äußerst breit gefächerte und einstellbare Fahrverhalten beeindruckt. Überraschend auch: Ich finde, das äußere Schnöde und Rundgeleckte des alten Q5 ist nun Vergangenheit. Das neue Fahrzeug bekam wesentlich mehr Gesicht. Zumal die Übersicht vom Fahrersitz gelungen ist: Keine fetten A-, B- oder C-Säulen, die den Blick versperren. Bei meinem Wunschfahrzeug bin ich am Ende bei 73.000 Euro im Konfigurator angekommen. Das nur nochmals zu der komischen Preispolitik.

Bildergalerie

Disclosure

Audi hat die Medien nach Mexiko (Baja California) eingeladen, hierzu die Reisekosten (Flug, Hotel, Verpflegung) übernommen. Für Kippen und anderweitige Spesen bin ich selbst aufgekommen. Hat es mein Urteil beeinflusst? Über Mexiko? Ja, ein spannendes Reiseziel, das ich noch nicht kannte. Und mein Urteil über den Audi Q5 wurde beeinflusst? Ja, weil wir die Chance hatten, die Audi-Nerds – aka die Ingenieure – im Fahrzeug stundenlang mit Fragen in den Bauch zu belöchern, während wir über Dörfer, Landstraßen, unbefestigte Feldwege und Autobahnen fuhren. Erst dann merkt und erfährt man im Detail, was die eigentliche Arbeit am Produkt ausmacht. Ohne die Nerds ist mir die schönste Sonne völlig wumpe. Von reinen Marketingbotschaften habe und halte ich nix.

Bildrechte

Alle Bilder wurden von Sandra Schink angefertigt. Nutzungsrechte sind entsprechend mit ihr auszumachen.

 

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Blogger seit 2003. Technikaffin, neugierig, am technischen Wandel der Zeit interessiert, Anhänger und Skeptiker des Fortschrittsglaubens. Track Record meiner ex-Blogs: MEX-Blog 2003-2005 (Wirtschaftsblog), WoW-Blog 2005-2009 (Gamingblog), 321Blog 2007 (eBay), BasicThinking 2003-2009 (Tech&Startups). Aktive Blogs: RobertBasic.de seit 2009 und Buzzriders.com seit 2011.

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