Zitat: Das Bevölkerungswachstum der Zukunft findet fast ausschließlich in den Entwicklungsländern statt. In Afrika wird sich die Bevölkerung von heute 1,1 Milliarden auf voraussichtlich knapp 4,2 Milliarden Menschen im Jahr 2100 vervierfachen. In Europa hingegen wird die Bevölkerung abnehmen: Leben hier heute noch 742 Millionen Menschen, werden es am Ende des Jahrhunderts voraussichtlich nur noch 639 Millionen Menschen sein – das entspricht einem Rückgang um 14 Prozent.
Auffallend ist die projizierte Bevölkerung in Deutschland
Dem zugrunde liegt die sog. “Fertilitätsrate“. Allgemein wird angenommen, dass ab einer statistische Rate von 2,1 Kindern pro Frau (zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr), eine Bevölkerung wächst. Deutschland hat sich bei ca. 1,3 eingependelt.
Was sind die Konsequenzen für Deutschland?
- Wirtschaftlich habe ich auf den ersten Blick keine wirklich guten Studien gefunden, die einen Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum und Wirtschaftskraft fundiert erklären. Natürlich blickt man schnell nach China => “große Bevölkerung => Starke Binnennachfrage => Starkes Wachstum”. Diese Kausalkette erscheint aber zu simpel, um Deutschland ein Leben in Armut zu prophezeien. Das hängt von zu vielen Faktoren wie Produktivität, Aussenhandel, Wirtschaftssektoren und Grad der technischen Innovationsfähigkeit ab.
Ein mögliches Szenario zeichnet sich jedoch heute schon ab. Kaum steigende Reallöhne und eine unsichere Rentenlage werden sich womöglich stark auf die Binnennachfrage auswirken. Wenn wir heute rund 3 Mio PKW in D jährlich zulassen, wird die Autoindustrie in D 1 Mio weniger Autos absetzen? Überspitzt gesagt: Es wird weniger Aldis, Bäckereien, Autohändler, Friseure, Schulen, Handwerksbetriebe, etcpp geben. Insgesamt wird es natürlich weniger Jobs geben. Werden dafür die neuen Jobs besser bezahlt sein? Wir wissen es nicht. Sämtliche Sektoren der Wirtschaft, die von der Inlandsnachfrage profitieren, werden defintiv betroffen sein. Regional gesehen werden bestimmte Sektoren jedoch profitieren. Wie das?
- Urbanisierung: In Deutschland liegt der Verstädterungsgrad wesentlich über dem weltweiten Durchschnitt. Die elf Agglomerationsräume mit mehr als einer Million Einwohnern zählen allein rund 25,6 Millionen Menschen. Der weltweit nicht einheitlich verwendete Begriff der Agglomeration entspricht der Stadt im geographischen Sinn, ohne die Beachtung der Verwaltungsgrenzen. Die nach Verwaltungsgrenzen gerechneten 82 Städte über 100.000 Einwohner in Deutschland im Jahr 2004 besitzen 25,3 Millionen Einwohner, das sind bereits über 30 % der Gesamtbevölkerung von 82 Millionen. Die elf Metropolregionen Deutschlands mit 44,3 Millionen Einwohnern sind räumlich wesentlich weiter gefasst und beinhalten auch große ländliche Gebiete…. In Deutschland steigt aufgrund verschiedener Faktoren wie des demographischen Wandels und höherer Energiepreise der Urbanisierungsgrad wieder. Während die Bevölkerung in Deutschland abnimmt, steigt sie in den meisten Großstädten. Insbesondere ist eine ältere Bevölkerungsstruktur auf dem Land zu beobachten
Heißt? In den Gewinnerregionen Deutschlands werden die Betriebe davon profitieren können. In ländlichen “Verlierer”-Gebieten wird man weiterhin das spüren, was man heute schon mehr als deutlich sehen kann: Die Zeiten, in der in jedem Örtchen ein Bäcker und ein kleiner Supermarkt zu finden waren, sind vorbei. Wie jedoch die Lenkunpspolitik auf wachsende Probleme in beiden Richtungen reagiert, ist mir noch völlig unklar. In Gewinnerregionen führt bspw. wachsender Wohnmangel zu großen Problemen, Verliererregionen müssen lernen, wie sie “downgraden”. Wundert Euch daher nicht, wenn die Themen “Upgrading” und “Downgrading” die kommunale wie auch bundesweite Politik immer stärker beschäftigen werden. Wir haben hier ein extrem vernetztes Problem zu lösen. Das beginnt schon bei der Steuerung, welche ländlichen Gebieten überhaupt noch mit öffentlichen Verkehrsanbindungen finanziert werden sollen. Sollen Kinder weniger Busse zur Schule bekommen und dafür weiter laufen? Oder sollen sich eben die Familien um private Mitfahrgelegenheiten selbst kümmern? Wieviele Austräger braucht ein lokaler Verlag noch? Wieviele Mitarbeiter kann er wegen sinkender Anzeigeneinnahmen noch beschäftigen? Muss der Lokalverlag mit anderen Verlagen zusammengehen und vor Ort Stellen dicht machen? Der Bäcker ärgert sich, dass sich immer weniger Schüler Brötchen kaufen, weil sie als Austräger nix mehr nebenbei verdienen. Das Rathaus streicht mangels Bedarf weitere Stellen. Der Arbeitslose sucht in naheliegenden Städten nach Jobs, kann aber nicht pendeln, da es wegen den Kosten zu teuer wird. Vor Ort arbeiten in der Stadt? Dann müssten die Kinder die Schule wechseln. Schwer. Der Bäcker ärgert sich noch mehr, der Lokalverlag kann weniger Zeitungen austeilen. Und und und.. eine Wirkungskette zieht eine weitere Wirkungskette mit sich.
Wie stark soll man zig verschiedene Entwicklungen puffern?
Wenn Ihr denkt, dass es Euch nicht treffen wird, liegt Ihr leider falsch: Je nachdem, wo Ihr wohnt, seht Ihr diese Entwicklungen nur zu deutlich (eben das besagte Thema, weniger Schulbusse, steigende Mietkosten, mehr Jobs, weniger Jobs, mehr Mobilität, weniger Mobilität, …). Und Eure Kinder und Eure Neffen werden es noch deutlich zu spüren bekommen. Sprich “Opa/Oma, warum hast Du nicht früher reagiert, was heute davon zu sehen ist, wie wir leben müssen?”.
Einfaches Rechenbeispiel, warum ich mich sorge:
2020: Meine Kinder haben einen Job
2030: Ich werde Opa womöglich
2040: Meine Enkelkinder sind in der Schule
2050: Meine Enkelkinder suchen nen Job/Ausbildungsstätte
2050: Meine Kinder werden ca. 50 Jahre alt sein
2100: Meine Enkelkinder werden das Rentenalter erreichen
Ich kann das Thema leider nur sehr oberflächlich anreißen, weiß noch nicht einmal, wo anfangen und wo aufhören, angesichts der Komplexitätsexplosion, je tiefer man reinbohrt. Aber ich kann zu denken geben, welche Parteien dieses Entwicklungen aufgreifen, die nur allzu schnell um sich greifen? Welche Antworten werden geboten? Ich sehe da leider, leider nur sehr wenig davon. Fatal angesichts des Tempos, mit der diese Entwicklung auf uns zurast.
Eines der zukunftsträchtigsten Systeme, die uns ein Sicherheitsplus auf die Straße bringen, nennt sich Car-to-X. Das Potential der Systeme ist erheblich, was Verkehrsflüsse und Sicherheit angeht. Heute eiern die Fahrzeuge sozusagen alleine über die Straßen, ohne digitale Signale an andere Verkehrsteilnehmer zu senden. So wissen wir bis heute nicht genau, auf welchen Straßen was wann wo los ist (abgesehen von den simplen Trackingsystemen der Städte und Autobahnen). Ein bizarrer Zustand, sich sozusagen blind auf Verkehrsströme einzulassen. Die Ampel spricht nicht mit dem PKW, was die beste Näherungsgeschwindigkeit für eine grüne Ampelphase ist, das Stauende spricht nicht mit heranrasenden LKWs und PKWs, der Fußgänger weiß nicht, dass sich ein besoffener Autoprolet nähert, der wegen Aquaplaning fast ums Leben gekommene Fahrer warnt nachkommende Fahrzeuge nicht, dass in der Kurve die tödliche Falle lauert, etcpp…
Daimler setzt ein Stück weit daran an und wird ein frühes System Ende 2013 auf die Straße bringen. Die Idee ist, dass Fahrzeuge vollautomatisch oder manuell Gefahrensituationen an andere Fahrzeuge senden. Ob nun Geisterfahrerwarnmeldungen, das Stauende oder Glatteisstellen, lauter brandgefährliche Situationen. Nachfolgenden Fahrzeugen wird diese Gefahr auf dem Bildschirm angezeigt.
Bedingung ist klar: Die Fahrzeuge benötigen standardisierte Systeme, die sich untereinander verstehen, hierbei Warnmeldungen erkennen, erzeugen und verarbeiten.
Mercedes möchte noch 2013 mit einem solchen System auf den Markt kommen, Zitat aus der Pressemeldung:
Im ersten Schritt wird dazu das Drive Kit Plus genutzt, das in Kombination mit einem Smartphone und der von Mercedes-Benz entwickelten Digital DriveStyle-App das Fahrzeug gleichzeitig zum Sender und Empfänger von Informationen macht.
…
Wenn es in der Umgebung des Fahrzeugs Warnmeldungen wie beispielsweise ein Einsatzfahrzeug mit Signalfahrt oder ein Pannenfahrzeug gibt, wird der Fahrer rechtzeitig vorher gewarnt und die Gefahrenstelle auf der Karte markiert. Damit hat er die Möglichkeit, seine Fahrweise und Geschwindigkeit so anzupassen, dass eine gefährliche Situation gar nicht erst entsteht. Auch kann der Fahrer dank Car-to-X Technologie frühzeitig vor Geisterfahrern oder gefährlichen Witterungsbedingungen gewarnt werden.
Neben dem Empfangen von Gefahrenmeldungen kann jedes Fahrzeug, das mit Car-to-X Technologie ausgestattet ist, auch Gefahren an andere Verkehrsteilnehmer senden und damit zu einer Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr beitragen. Viele dieser Gefahren können Mercedes-Benz Pkw aufgrund der nahtlosen Integration des Car-to-X Systems in die Fahrzeugsysteme automatisch erkennen, ohne dass es einer Aktivität des Fahrers bedarf. Für Gefahren, die nicht oder noch nicht automatisch detektierbar sind, wurde eine effiziente manuelle Meldemöglichkeit geschaffen. Per Knopfdruck lassen sich Liegenbleiber oder Tiere auf der Fahrbahn, Geisterfahrer oder verlorene Ladung in die Mercedes-Cloud melden. Diese sendet dann eine Warnmeldung an alle mit Car-to-X Technologie ausgestatteten Fahrzeuge in der Nähe der Gefahrenstelle aus.
…
…das Drive Kit Plus kann sowohl für Neufahrzeuge bestellt werden, wie auch als Nachrüstlösung in Bestandsfahrzeuge verbaut werden. Damit ist die Car-to-X Technologie unabhängig von der Markteinführung eines neuen Modells und wird den Kunden ab Ende des Jahres flächendeckend in fast allen Mercedes-Benz Fahrzeugen angeboten.
Offensichtlich is Daimler bestrebt, andere Verkehrsteilnehmer wie Einsatzkräfte und Baustellenbetreiber einzubinden, ebenso – was aber schon seit Jahren nur mühsam vorankommt – andere Autohersteller. Und wenn ich mir die Pressefotos genauer anschaue, so vermute ich, dass Mercedes nicht nur Drive Kit Plus Systeme bestücken wird, sondern alle Neufahrzeuge mit dem integrierten Comand-System (so nennt Mercedes sein digitales Informationssystem).
Ich hake nach, welche Warnmeldungen geplant sind und was es mit Comand-Systemen auf sich hat.
Update mit Antworten von Daimler:
- wird das System Ende des Jahres auch in üblichen Comand Systemen angeboten, oder nur für Drive Kit Plus? Ab Herbst zunächst in der Digital DriveStyle-App über das Drive Kit Plus. An der vollständig fahrzeugintegrierten Variante (eingebettet ins COMAND Online) arbeiten wir aber natürlich auch. Wann das kommt, dürfen wir leider noch nicht verraten – aber wir haben schon einen festen Termin im Blick!
- welche Warnmeldungen wird es geben (Stau, Geisterfahrer, …?) Allgemeine Gefahr; Unfall/Panne; Straßenwettergefahr; Einsatzfahrzeug; Geisterfahrer; Wanderbaustelle
- Sendet der Zentralrechner via Broadcast Daten an alle CC Fahrzeuge, oder wählt der Rechner aus, welche Fahrzeuge die Daten in der Nähe erhalten werden? Wie läuft das Kommunikationsverfahren genau ab? Handelt es sich um GPRS Kommunikation oder TCPIP via App? Alle Gefahrenmeldung (detektiert durch die Fahrzeugsensorik, manuelle Warnungen, Einsatzfahrzeuge, Wanderbaustellen) werden in die „Mercedes-Cloud“ (Daimler Vehicle Backend, der als Geoserver fungiert) gesendet. Von dort werden die Warnungen an diejenigen Fahrzeuge gesendet, die potentiell im Gefahrengebiet sind. Wenn sich das Fahrzeug dann der Gefahrenstelle nähert, erscheint die Meldung. Warum wird schon vorher gesendet und nicht erst unmittelbar vor der Gefahrenstelle? Wenn vor der Gefahrenstelle auf Grund mangelnder Abdeckung kein Mobilfunknetz verfügbar ist, kann der Fahrer trotzdem gewarnt werden – weil die Gefahr schon im Fahrzeug abgelegt ist!
- Was passiert, wenn ein sendendes/empfangendes Fahrzeug in einem Datenfunkloch ist? Werden die Daten nachträglich gesendet/empfangen? Siehe oben
- Wie sieht es mit dem Zeitstempel aus? Werden die gesendeten Daten nach einer Zeitdauer X (Glatteis gemeldet um 07:24 Uhr… besteht das immer noch um 18:34?) gelöscht? Wird der Zeitstempel dem Fahrer angezeigt, damit er selbst abschätzen kann, ob die MEldung noch akut ist? Für jedes Ereignis wird auf dem Server ein Zeitstempel hinterlegt, nach einer bestimmten Dauer wird aus einer „bestätigten“ Gefahr (Blau auf Karte dargestellt) eine „mögliche“ Gefahr (Grau auf Karte). Wenn nun ein anderes mit C2X ausgestattetes Fahrzeug an der Gefahrenstelle vorbei kommt, wird der Fahrer per Popup im Display gefragt, ob die Gefahr noch besteht – Community-Gedanke! (Das lässt sich aber auch ausschalten, wenn Fahrer nicht als aktive Melder/Bestätiger fungieren möchten).
warum sollte sich die Gestensteuerung nur auf Tablets und Smartphones beschränken? Die touristische Webseite namens “When It Rains” bietet mittels Webcam-Zugriff dem User an, die Seite via Gesten durchzunavigieren (im Moment nur auf Google Chrome Browsern möglich).
From concept to final website it took around 3 weeks. We got the idea from an open source piece of code for doing gesture recognition, we improvised on it, combined that with the monsoon campaign and the result is what you are seeing.
Die notwendige Technik findet ihr hier: WebRTC is a free, open project that enables web browsers with Real-Time Communications (RTC) capabilities via simple Javascript APIs. The WebRTC components have been optimized to best serve this purpose.
Gut möglich, dass zunehmend häufiger vorkommende Bedienkonzepte (=> zunehmende Touchscreen-Welt) übertragen werden, auch auf alte Techniken wie die Maussteuerung einer Webseite.
Und, wir könnten es sogar weiterdenken: Wie reagiert der User emotional auf die Webseite? Doch, das geht
Obama hatte zuvor eingestanden, dass unter strenger Aufsicht des Parlaments und der Bundesgerichte Daten gesammelt würden. Er rechtfertigte die Aktion als einen Teil der Terrorbekämpfung. Den Berichten von “Washington Post” und “Guardian” zufolge hat der US-Geheimdienst NSA praktisch uneingeschränkten Zugriff auf Nutzerdaten von Google, Facebook, Microsoft oder Apple. Die Bundesregierung verlangte eine Aufklärung über die Vorgänge.
Müsste man nicht konsequenterweise zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit seitens der User auch hierzulande sämtliche dieser Dienste außen vor lassen, um ein Signal zu setzen? Die Konsequenzen daraus sind womöglich negativer denn die Vorteile daraus. Man gibt ein Stück weit Bequemlichkeit aber auch eine Unzahl von Nutzwerten auf Basis der Produkte und auch eine Unzahl sozialer Kontakte auf. Du kappst Twitter, Youtube, FB, Google+, die beiden dominierenden Suchmaschinen Google und Bing, das iPhone liegt mehr oder minder brach, itunes ist vorbei.. und und. Und das alles nur, weil eine Regierung Daten von Dir persönlich nach Auffälligkeiten durchsucht? Und weil Du ohne Deines Wissens mit “Terorristen” befreundet bist, womöglich sogar Fantasiestories über Atomwaffenbeschaffung schreibst? Morgen der Freiflug nach Guantanamo? Das erscheint wohl vermutlich allen als sehr unwahrscheinlich.
Wer leistet also wem Vorschub? Nicht Handeln und den Rechtsbruch gutheißen? Anderen Regierungen aufzeigen, wie einfach Überwachungsmaßnahmen einzuführen sind (Vorratsdatenspeicherung und Bestandsdatenauskunft sind dagegen schon die niedlichen Varianten)?
Ich nehme an: Nichts wird passieren. Ob die deutsche Regierung – die selbst dafür Sorge trägt, dass Kontodaten und Flugdaten USA preisgegeben werden – Einspruch einlegt, ein US Untersuchungsausschuss feststellt, dass nationale Sicherheit Vorrang hat, oder dass faktisch 99,9999% aller User keinen der Dienste verlassen werden. Der eigene Vorteil ist wichtger denn der Schaden. Zu ominös, zu diffus erscheint diese Datenschnüffelei. Wir sind ja schon heute willens, Facebook Apps nicht nur unsere eigenen Daten, sondern auch die unserer Freunde preiszugeben, einfach so.
Also? Die hoheitliche Kontrolle über den Datenverkehr wird allen Nationen zu eigen sein. Eine potentielle Infrastruktur aufzubauen, die mehr als nur technische Vorteile dem User bietet, wird weitaus schärfere Kontrollmöglichkeiten bieten. Reaktionäreren Strömungen wird das ein willkommener Anlass sein, es auch zu nutzen. Es wird ein Einfaches werden, eine Bevölkerung im Guten wie im Schlechten zu lenken. Solange politische Bewegungen wie die der Piraten nicht in das Bewusstsein der Wähler eindringt, wird genau dieses Szenario ein mehr als realistisches Szenario sein. Bis die Folgen jedem Individuum persönlich bewusst werden. Von der Umweltbewegung zur Datenbewegung? Wann wird es orangene Farben in Parlamenten geben? Meine Stimme geht zur Bundeswahl trotz allem und obwohl die Gruppe höchst zerstritten ist, an die Orangenen.
Heute malen wir mal eine Zukunft abseits der Technikgläubigkeit und Fortschrittsglaubens. Nicht, dass wir die Schraube etwa zurückdrehen könnten. Das wäre vergeblich. Die gesamten Logistikströme – unsere Überlebensströme – der globalisierten Welt beruhen auf der elektronischen Verarbeitung. Kein Frachtschiff verlässt heute einen Containerhafen, ohne im Hintergrund sämtliche Bestell-, Kunden- und Herstellerdaten längst verarbeitet zu haben. Auch der Finanz- und Versicherungsdatenstrom an notwendigen Abwicklungsdaten ist auf zig Computern auf diesem Globus gespeichert. Winzige Beispiele für eine Technikwelt, die ohne Technik nicht mehr überleben kann.
Wir werden in eine Welt hineinwachsen, die sich in politischen Glaubensfragen ungeahnten Ausmaßes verwickeln wird. Was damals über den Stammesältesten entschieden wurde, wird heute in wesentlichen größeren staatlichen Gebilden organisiert. Ob nun demokratische Strukturen wie in den USA mit über 300 Mio Einwohnern oder zentralistische Gebilden wie China mit über einer Milliarde Menschen vorliegen, ist hierbei vollkommen unerheblich. Ohne Technik ist die Verwaltung eines Staates heute undenkbar. Und noch größere Gebilde sind heute schon längst denkbar: Die Waren- und Finanzwirtschaft hat es schon längst realisiert, wir reden von keiner Utopie. Nationale Grenzen sind nur noch Fragen des Rechtswesens, der Zölle und Konsumentenmärkte. Im Grunde unnötige Strukturen, wenn man es weiterdenkt. Doch es hat Jahrtausende gedauert, bis die empfindlichen Gleichgewichte von heute hergestellt wurden. Sind auf diesem Wege mehr Menschen an Kriegen gestorben denn an Alterskrankheit? Wie oft waren kleine, dumme Vorstellungen wie man anders leben will Anlass genug, sich gegenseitig an die Kehle zu gehen.
Also? Die Frage wird vielmehr sein, wie die global – zwar nach wie vor höchst divergente – Bevölkerung zusammen noch größere, politische Organisationsgebilde finden wird. Vom winzigen Volksstamm zu einer globalen Bevölkerung, die sich gemeinsam organisiert, weniger über Staaten denn dezentral? Ein gewagter Gedanke, der in vielen Staaten heute zu einem interessanten Zwangsbesuch in dunklen Kellern führt. Es geht aber auch friedlicher: Wir beobachten das idealerweise an der Struktur des EU-Raums. Zahlreiche Fragen werden in kaum noch überschaubaren Prozessen reguliert, standardisiert und normalisiert. Doch noch ist kein Staat bereit, seine Hoheit auch nur ansatzweise aufzugeben. Es ist nach wie vor mehr der Verteilungskampf um nationale Vorteile.
Die alles entscheidende Frage ist, ob wir durch den immens angestiegenen Austausch von Weltanschauungsfragen – profan und elementar “wie wollen wir leben” – die alten Fragen von Religionsanschauungen weit übertreffen werden? Heute ist der Austausch ein Rinnsal, nur ein Bruchteil der Menschen ist vernetzt. Nur ein Bruchteil kommuniziert übergreifend. Nur ein Bruchteil wichtig anmutender Informationen wird reibungslos an Wenige verteilt. Wir verstehen nur ansatzweise, was außerhalb unserer vier Wände passiert. Die Kanäle sind nach wie vor archaische Kanäle digitaler Ströme. Alles das wird eines Tages lächerlich anmuten, wie wir heute von FB oder Google sprechen. Wenn alle miteinander reden könnten? Wenn Informationen weitaus effizienter Empfänger finden? Wir sind die Weltmeister im Optimieren, und optmieren werden wir auch dies. Den Strom und die Vernetzungsmuster.
Wird das ohne Kollision vonstatten gehen? Damals musste ein Mann in Deutschland ein Papier an einem Hauptportal an der Schlosskirche in Wittenberg anschlagen. Die heute lächerlich anmutenden Glaubensfragen kosteten wievielen Menschen das Leben? Weil weder die eine noch die andere Macht das neu entstandene Gefüge friedlich auflösen wollte. Ein Drittel der “deutschen” Bevölkerung musste dran glauben.
Wie schnell wird eine Großmacht wie USA oder China den Machtknüppel loslassen, wenn die ersten Stimmen immer lauter werden, die womöglich unntöig gewordenen Staatengebilde und Hoheiten aufzugeben, einen gemeinsamen Staat aller auszurufen? Ist das so dermaßen undenkbar? Brauchen wir im 22. Jahrhundert
Staaten?
Was ist denn, wenn wir alle eines Tages, oder eher gesagt unsere Nachkommen mittels eingebetteter Körpersysteme ohne PC und Smartphones – die Steintafeln des 20. und 21. Jahrhunderts – miteinander kommunizieren können? Sprachbarrieren und beschränktes Erinnerungsvermögen aufgrund gewaltiger Cloud-Ressourcen hinter uns gelassen haben? Der Muslim ebenso wie der Katholik, Juden, Budhisten, Ungläubige, jeder Fleck der Erde ist bewohnt und vernetzt. Ein ungeahnter Austausch von Ideen, Vorstellungen und Haltungen prasselt auf den jungen Afrikaner ebenso ein wie auf den Senior im japanischen Alterheim.
Wird eine gigantische, elektronische Mauer eingezogen zwischen den Staaten, die für freien Austausch von Gedanken stehen und diejenigen, die Kontrolle nicht aufgeben wollen? Werden die einen als unfrei und die anderen als frei bezeichnet? Südstaaten gegen Nordstaaten? Kämpfen nicht schon heute Staaten auch im Westen um die Kontrolle der Informationsströme? Sitzt hinter dem chinesischen User im INet Cafe nicht ein Zensor? Das ist real und dennoch lächerlich angesichts der größeren Zukunft. Elektronische Menschen der neuesten Generation gegen die Retros?
Glaubt Ihr, dass wir eines Tages nicht gegen Menschen kämpfen werden, die ihren verletzlichen, allzu schwachen biologischen Körper nicht maschinell umrüsten wollen? Glaubt Ihr, dass Euer Gehirn auf immer ein Rätsel biochemischer Prozess bleibt? Glaubt Ihr nicht, dass man dann technisch als biologische Rasse unglaublich vorankäme, würde man diesen allzu schwachen Prozessor tunen können? Dumme Spinnerei? Vieles war mal Spinnerei. “Ein wichtiges Zwischenziel des Projekts wurde Ende 2007 abgeschlossen: Blue Column hat das Ziel der vollständigen Simulation einer neokortikalen Säule auf zellulärer Ebene erreicht. Neokortikale Säulen besitzen eine Höhe von 2 mm und einen Durchmesser von 0,5 mm. Beim Menschen enthalten sie circa 60.000 Neuronen. Blue Column bezieht sich auf Ratten, deren kortikale Säulen circa 10.000 Nervenzellen und ungefähr 108 Synapsen beinhalten” (Quelle: Blue Brain Project, die Simulation des Gehirns). Es klingt lächerlich, dass der Mensch glaubt, sein Denken werde auf ewig verschlossen bleiben. So komplex ist es nur, weil wir lediglich technisch noch nicht soweit sind (heutige Großrechner schaffen nur Bruchteile eines Rattenhirns abzubilden, aber dabei wird es nicht stehenbleiben), biochemische Ströme simulieren zu können. Gedanken auslesen, speichern, sharen? Das Hirn als Atomwaffe der Zukunft für Kontrollfanatiker? Faszinierende Vorstellung. Wird demnach ein Forscher wie Henry Markram der Frankenstein der Zukunft sein, der mit den Grundstein gelegt hat, dass uns Menschen voreinander nichts mehr verborgen bleibt und ungeahnte Möglichkeiten eröffent? Bevor jemand auf jemanden schießt, wird das Hirn Kraft eines vernetzten Justizcomputers blockiert? Exzellent! Und bevor jemand den Gedanken an politische Änderungen in die Tat umsetzt, wird der Politrechner das Individuum umprogrammieren? Auch exzellent? Eine reine Glaubensfrage. Immerhin fördert die EU das Blue Brain Project mit 1 Milliarde Euro. Die Atomwaffe war womöglich nicht soviel weitaus teurer:)
Ethik? Moral? Glauben? Klar ist, dass man das abtun wird. All die technischen Ströme und Möglichkeiten, winzige Mosaiksteine wie das Blue Brain Project. Kinderkram, Science Fiction, Unsinn. Doch genau all die Ströme und Entwicklungen ziehen einen gewaltigen Strom an Veränderungen nach sich. Das bisserl Kupferdraht und schon überträgt man Sprache weiter als ein Zimmer misst. Eine winzige Idee, aber ein Faszinosum, was aus dieser banalsten Entdeckung, Sprache über elektrisch geladene Teilchen zu übertragen, geworden ist. Wir haben über die Menschen geschmunzelt, die uns weisgemacht haben, man könne eines Tages fliegen. Gar, dass die Erde eine Kugel sei. Und wir sind immer wieder Kraft unseres schwachen Geistes überrascht, wie uns Techniken überrollen. Es hat stets wenige Generationen gedauert – lächerliche 4 Generationen pro Jahrhundert – wenn Ihr Euch heute umschaut. 12 Generationen seit der Dampfmaschine. 4 Generationen seit Kitty Hawk. 3 seit den Computermaschinen. 2 seit dem Kunstherzen.
Eher werden viele sterben wollen, bevor man diese neue, völlig abstrus aus heutiger Sicht anmutende vollkommen vernetzter und maschinell aufgerüsteter Menschenwelten zulassen würde. Die Starken und Starren werden kämpfen. Um ihre Lebensvorstellung und Weltanschauung.
Wenn ich eines weiß, dann ist es der Unwillen der Menschen, sich auf Neues dauerhaft einzustellen. Die Widerstände waren historisch gewaltig. Und der Zyklus der Veränderungen wird noch schneller auf uns einprasseln. Wenn heute ein Christ einem Muslim und umgekehrt als merkwürdig aufgrund seiner Glaubensfragen und Sitten empfindet und gegenübersteht, wie soll es dann werden, wenn wir das Tempo des Austausch anziehen?
Um es so zu sagen: Listen. Ich weiß, ich werde als Spinner abgetan, aber das macht mir nichts: Ich werde es ja nicht miterleben:))
Deutschland im 21. Jahrhundert. Noch immer setzen sich Menschen auf unbeheizte Toiletten. Spülen mit Kaltwasser. Reinigen sich mit zwei- bis vierlagigen Papier. Und nutzen die ungeliebte Bürste und die WC-Ente, um die Schüssel sauber zu halten.
Wo in Deutschland die erste Toilette mit Wasserspülung installiert wurde, ist strittig. Bekannt ist, dass im Schloss Ehrenburg in Coburg 1860 eine installiert wurde. Sie wurde damals für Queen Victoria, die dort häufig zu Gast war, eigens aus England importiert. Älter ist das WC im Schloss Bad Homburg. Die Ehefrau von Landgraf Friedrich Josef VI., Elisabeth, eine Tochter des englischen Königs Georg III., ließ bereits 1820 eine Toilette mit Wasserspülung bauen. Diese ist nicht mehr erhalten, da sie späteren Renovierungen zum Opfer gefallen ist.
So hat sich seit der Erfindung der Wasserspülung anno 1596 (Sir John Harrington) am Grundprinzip nicht viel geändert. Am guten Stück ist das digitale Zeitalter vollkommen vorbeigegangen, oder?
Stellt Euch aber mal folgendes vor:
Ihr betretet den Waschraum, schon fährt der Deckel automatisch hoch. Und der Sitz wird schon mal vorgeheizt. Es lernt sogar, zu welchen Zeiten ihr ungefähr den Waschraum aufsucht und passt die Heizvorgänge auch dahingehend an. Die Schüssel wird kurz vor der Benutzung mit einem feinem Wasserfilm benetzt. Nach Erledigung des menschlichen Kurz- oder auch Langprojekts (je nach Vorliebe) fährt eine Wasserdüse aus, die anstelle des Papiers mit 38 Grad warmen Wasser die Reinigungsfunktion übernimmt. Danach fährt eine Fön-Düse aus und übernimmt die Trocknung. Der Spülvorgang selbst wird durch eine Tornado-Spülung übernommen. An drei vertikal versetzten Einlassstellen in der Schüssel wird ein Wasserstromwirbel erzeugt, der mit weniger Wasser reinigender auskommt. Zudem ist das Wasser katalytisch geladen, so dass es eine zusätzlich reinigende Wirkung in Kopplung mit dem beschichteten Material der Schüssel ausübt. Und sobald Ihr Euch entfernt, wird der Geruchsneutralisator zum Einsatz kommen, ebenso wie ein im sich automatisch schließenden Deckel eingebautes UV Licht eingeschaltet namens ActiLight, das die letzten Reste an biologischen Verunreinigungen beseitigt.
Das Washlet in Japan: Ein Kassenschlager
Diesen Typ an Toiletten – der “Washlet” genannt wird – ist die im Moment technologisch fortgeschrittenste Methodik, vor Gästen anzugeben und ein Wohlgefühl ohnegleichen zu erzeugen. Einige Personen in D, die das schon kennen, sind hellauf begeistert. Leider kennen wir das in Deutschland nicht. Aber in Japan ist dieses Washlet zu rund 3/4 in allen Haushalten verbaut und seit den 80er Jahren ein alter Hut schon! Und Toto ist dort der ansässige Sanitärriese, der Marktführer mit dieser Washlet-Technik ist und dieses Produkt in Japan zum Erfolg geführt hat.
Vertrieb startet in Koop mit Villeroy & Boch
In Deutschland soll sich das bald ändern, da Toto als Sanitärriese und Marktführer im Washlet-Bereich in einer Koop zusammen mit Villeroy & Boch ab Herbst diesen Jahres derartige HighTech Produkte auf den Markt bringen wird. Kein Wunder, so ist Toto in ganz Asien und auch in den USA bekannt. Aber in Deutschland eben überhaupt nicht. Man probiert es schon seit vier Jahren, kam aber nicht voran, was an den hieisgen Strukturen des Sanitärmarktes liegt. Der Schachzug mit V&B ist daher doppelt spannend. Warum? Toto hat erkannt, worauf es hier ankommt. V&B hat beste Bezieungen zum Handel wie auch Handwerkern. Toto nicht. Die Zeit bis dahin wird genutzt, um die Vertriebskette in Schwingungen zu versetzen. Handwerker wollen geschult werden. Der Fachhandel will informiert werden. Der Kunde will interessiert werden.
Kosten
Ich persönlich glaube, dass dieses Produkt auch in Deutschland seinen Siegeszug erfahren wird. Obgleich es kein günstiger Genuss ist: Der Käufer kann je nach Situation zwischen 2.000 – 10.000 Euro auf den Tisch legen. Für das Produkt und die Installation (die ist wahrlich kein großes Hexenwerk: Strom plus Wasseranschluss, fertig ist die Sache letztlich). Mich hat dieses Produkt mehr als überzeugt, denn es stellt nicht nur einen technologischen Fortschritt nach der 200 jährigen Starre dar, sondern bietet auch dem Benutzer einen hygienischeren Nutzen.
Pfeiffer rechnet angesichts des Marktes von 20000 Anlagen im Jahr in der Schweiz mit einem Vielfachen davon für Deutschland. „Wenn man bedenkt, dass Deutschland etwa zehnmal so groß ist, dann dürfte sich hier ein Absatzvolumen von 200000 Stück im Jahr ergeben, was etwa 400 Millionen Euro Marktvolumen entspräche.“
Bilder & Videos
Ach ja, sollte doch mal der Strom ausfallen: Es lohnt sich, nicht auf Papier gänzlich zu verzichten;)
Anbei nun die Bilder und ein Demovideo im Gespräch mit Toto während einer Messe in Frankfurt. Alle Bilder findet Ihr im Google+ Album in voller Größe.
Das Toto Washlet “NeoRest”
Die Waschdüse: Enthält die Waschfunktion für Frauen (Bidet-Ersatz!!!) und für Männer. Die Düse ist via Fernbedienung einstellbar. Und der mit 38 Grad beheizte Wasserstrahl pulsiert leicht, so dass es eine Art von Massagefunktion beinhaltet. Nach der Benutzung fährt die Düse wieder ein und wird im Zylinder gereinigt. Rechterhand befindet sich der Fön, der ebenfalls mittels einer Vorrichtung ausgefahren wird. Selbstverständlich ist die Luft vorgewärmt.
Mittels der Ferbedienung können alle Funktionen des Washlets angesprochen werden: Spülen, Reinigen, Fönen, Massieren, Verstellen, Intensität
Die Reinigung via UV-Licht
Der Anschluss des Washlets
Im Gespräch mit Toto-Mitarbeitern, die auf alle Fragen sehr zuvorkommend und super höflich eingegangen sind
Was würdet Ihr mit einer solchen Brille tun? Fotos am “Laufenden Band”? Videos? Oder seid Ihr gar absolute Gegner einer solchen Brille? Warum? Wieso? Alle Arten von Beiträgen – Pro wie Contra – sind Erwünscht.
Vorneweg, ich bin Brillenträger und ein Mensch, der gerne mein eigenes Hirn als Speicher nutzt denn Erlebtes digital zu speichern und zu teilen. Obgleich ich Menschen verstehe, die ihr Essen fotografieren, Treffen mit Freunden dokumentieren und interessante Orte auf Facebook mitteilen möchten. Und, ich bin zweifellos ein Anhänger des technischen Fortschrittsglaubens, aber nicht um jeden Preis. Ist so “ein Preis” die Google Brille?
Google Glass (siehe Beschreibung des Herstellers) treibt es mit der Videoschnippselei und Fotografiererei auf die technisch im Moment bequemste Spitze. Denn dies ist nun einmal im Moment der Produkthauptnutzen. Noch nie wird es bald so einfach sein, Visuelles festzuhalten und zu teilen. Und wenn wir eines wissen, wenn es um die Akzeptanz von Technik geht, dann ist Einfachheit der Bedienung ein wesentlicher Akzeptanzfaktor. Google Glass wird daher selbstverständlich ein Schlager. Egal was ich tue und wo ich bin, mit einem simplen Sprachkommando kann ich meine Umgebung digital festhalten.
Verkommt dann nicht der persönliche Genuss und die Intensität des Erlebten zu einem Gedanken, wie man das am besten Dritten mitteilen soll? Werden wir alle zu gehenden, brillentragenden Angebern alltäglicher Banalitäten? “Schau mal, wie cool ich bin“, “schau mal, wie toll die Location ist, wo ich gerade bin“, “schau mal, was ich gerade Tolles gemacht habe“. Google Glass ist geradezu eine Aufforderung, sich entsprechend mitteilsam zu verhalten. Uns droht bei entsprechender Marktdurchdringung dieser Technik – denkt auch an Wettbewerber wie Samsung, Apple, Microsoft – eine wahre, visuelle Flut an Bildern und Videos in unseren Timelines auf G+, Twitter, Facebook und YouTube. Wir werden erschlagen von nichtssagenden Straßenbildern, Autobahnfahrten, drögen Partys und Menschen mit dummen Gesichtsausdrücken.
Wenn es noch nie so einfach war, etwas Visuelles festzuhalten und sich umso weniger Gedanken machen muss, was man erlebt und wie man es am besten auf wertvolle Art und Weise teilt, statt die Timelines billigst zu fluten, wo bleibt der innehaltende Moment? Das, was uns erlaubt, den Fokus auf uns zu legen, zu reflektieren, etwas, das nicht unwichtig für unser Menschwerden ist. Es verkommt zu einem Discount artigen Strom an externalisierten Momenten denn einem Strom an innehaltenden Momenten. Selbst das Inhalieren eines wunderschönen Ortes, um zur Ruhe zu kommen, wird zu einem Moment des billigen Mitteilens.
Und es wird noch schlimmer: Die Macken eines Menschen bedingen, dass wir hin und wieder auf Menschen stoßen, die unaufhörlich mit ihrem Kopf zucken. Merkwürdig herumblicken. Willkommen in der neuen Welt von lauter herumköpfelnden Menschen, deren Augen ständig auf Wanderschaft sind. Will ich mit so einem Menschen ein ernsthaftes Gespräch führen? Dann kann ich mir gleich die unhöfliche, vollreflektierenden Zuhältersonnenbrille anziehen, um mit dem Mindestmaß an Unhöflichkeit das Zwiegespräch zu erwidern. Will ich in in einer U-Bahn sitzen, in der die Menschen da und doch nicht da sind, 100 Menschen, die allesamt mit dem Kopf wackeln? Welcome to the Zombie World!!
The Living Glass Zombie World. Und gegen diesen Virus gibt es kein Heilmittel.
Will ich das? Will ich diese Welt so haben? Es ist der Preis, den wir zahlen werden, uns in eine technisch vernetzte und voll erfassbare Welt hineinzubewegen. Es ist nicht die Frage des Wollens. Es ist die Frage, wie wir Technik in unser Leben hineinlassen und welches Gleichgewicht wir finden werden. Solange das Leben nicht zu einem banalen Timeline-Strom verkommt, wird es sich lebendig anfühlen und nicht billig. Genauso, wie wir real Erlebtes andauernd wegfiltern, werden wir auch Teile und Auswüchse dieser Technik wegzufiltern verstehen.
Also her mit den Google Glasses. So bleibe ich als Brillo wenigstens nicht mehr in der Minderheit :)
Wir schreiben das Jahr 2013. Oder anders: Wir stehen im 21. Jahrhundert. Klingt irgendwie vielversprechend modern und nach alles wird besser. Und wir sprechen nicht selten vom kommunikativen Digitalzeitalter.
Die weltweite technische Kapazität, Informationen über (unidirektionale) Broadcast und Rundfunk Netzwerke zu empfangen, ist von 432 (optimal komprimierten) Exabyte im Jahr 1986, bis 1,9 Zettabyte in 2007 gewachsen. Die globale effektive Kapazität Informationen durch (bidirektionale) Telekommunikationsnetze auszutauschen ist von 281 (optimal komprimierten) Petabyte in 1986, bis 65 (optimal komprimierten) Exabyte in 2007 gewachsen.
Klingt toll. Jeder kommuniziert mit jedem. Wenn er will. Manche wollen noch nicht wirklich. Betrachten wir die Automobilbranche, zeichnet sich ein Bild aus dem 20. Jahrhundert, Opas-Zeiten. Bis heute wird klassisch kommuniziert:
Pressemeldungen werden verteilt
Marketingkampagnen werden mit teuren Geld gefahren, um über neue Produkte zu informieren
Erste, zarte Facebook-Pages werden betrieben, um Marken- und Produktwelten zu vermitteln
Journalistische Anfragen werden zentral entgegengenommen und zu den Verantwortlichen weitergeleitet.
Und das ist schon alles? Ja. Das ist schon alles. Und wo spielt der News-Sex heute? Bei winzigen Geräten, die nicht einmal annähernd 10.000 Euro und aufwärts kosten.
Betrachten wir im Vergleich dazu die ITK-Branche, allen voran die Giganten wie Google, Microsoft, Dell, IBM oder HP. Sie haben sich mehr oder minder an das 21. Jahrhundert angepasst. Alle Mitarbeiter können nach Absprache und entsprechender interner Ausbildung nach außen kommunizieren. Vom Sachbearbeiter bis hin zum Produktmanager und Executive Manager. Sie haben ein dichtes Informationsnetz geschaffen. Das sie in die Lage versetzt, sämtliche Informationen zeitnah und unmittelbar ins Netz stellen zu können, um die Distributionsmaschine zu befeuern. Spätestens nach wenigen Stunden hat Google seine Information zu neuesten Updates weltweit verteilt. Dank ihrer Produktblogs. Microsoft hat jede noch so kleinste Interessensgruppe mit News versorgt. IBM bringt sich zu wichtigen Trend-Themen mit eigenen Impulsen ins Gespräch. DELL lässt das Feedback und die Kritiken der Kunden mittens ins Herz des Unternehmens so verteilen, dass jeder Mitarbeiter weiß, welche Probleme die Kunden heute haben.
Es muss nicht verwundern, dass ausgerechnet IT-Unternehmen heute bestens in der Lage sind, Themen zu setzen und zu verteilen. Und neue Formen von Begehrlichkeiten beim Konsumenten schaffen.
Die Autoindustrie muss hingegen mit immens teuren Werbekampagnen fahren, um Kunden zu erreichen. Klassisches Broadcasting. Ihre Presseabteilungen haben Mühe, außerhalb der klassischen Pressekanäle für Aufmerksamkeit zu sorgen. Schaut man sich weltweit um, so findet sich nahezu kein Produktmanager, kein Entwickler, kein Designer kommunikativ im Netz wieder. Alles muss zentral durch ein Nadelöhr der Werbe- und Presseabteilungen.
Womöglich liegt es daran, dass die Automobilbranche ungleich komplexer ist? Wer die ITK-Branche kennt, weiß genau, dass dies keine Branche ist, die mit geringer Komplexität glänzt. Das kann es nicht sein, sich als Automobilbranche an kommunikativer Front so klassisch zu verhalten. Vielleicht fährt sie größere Risiken angesichts der Umsatzzahlen, was naturgemäß ein größeres Maß an Risikoscheu nach sich zieht? Laut BITKOM verzeichnete die deutsche ITK-Branche einen Umsatz von rund 150 Mrd Euro.
Die Automobilindustrie ist, gemessen am Umsatz, der mit Abstand bedeutendste Industriezweig Deutschlands. Im Jahr 2008 wurden 345,9 Mrd. € erwirtschaftet. Die nächst umsatzstärkste Branche, der Maschinenbau, brachte es auf 225,5 Mrd. €. Rund 747.000 Personen waren 2009 in der Automobilindustrie hierzulande beschäftigt. Die Branche steuert mit rund 40 % den deutlich größten Anteil an den gesamten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der deutschen Wirtschaft bei. Dies waren im Jahr 2009 ca. 22,1 Mrd. €. Ihr Exportüberschuss macht weit über die Hälfte des gesamten Exportüberschusses Deutschlands aus.
IBM, Microsoft, DELL und andere Großunternehmen der ITK fahren keine geringeren Risiken. Jeder kommunikative Mitarbeiter verantwortet unter Umständen Millionen von Umsatzvorteilen oder -nachteilen. Dennoch kommunizieren sie dicht am Kunden.
Ich halte es strategisch für einen große Fehler, dass die Automobilbranche in Deutschland nach wie vor kommunikativ-klassisch fährt. Die zukünftige Entwicklung und Bedeutung der deutschen Automobillandschaft hängt wesentlich davon ab, wie sie künftige Konsumenten erreichen. Die heute schon die Haltung gegenüber dem Automobil zunehmend verändern. Es ist nicht mehr das gigantische Statussymbol. Wo buzzen die Autohersteller? Welche Themen werden als Impulse gesetzt? Wo begeistert man junge Kunden? Wie erreicht man sie überhaupt noch abseits der klassischen Werbe- ud Pressekanäle? Wie schafft man moderne Begehrlichkeiten passend zur Neuzeit? In meinen Augen ist es unabdingbar, dass Autokonzerne an breiter Front die Entscheidungsträger aka Mitarbeiter mit Projektverantwortung ans Netz heranlassen. Um ein so dichtes Informationsverteilungsnetz wie nur irgend möglich zu schaffen. Jeder noch so winzige Aspekt eines PKW Modells muss jeder noch so winzigen Interessensgruppe angeboten werden. Die Schaffung dezentraler Informationsstellen (ob Blog, Twitter, YT, FB, Flickr, Tumblr… völlig wumpe) ist maßgeblich dafür. Es den Medien (Presse oder Autoblogger, Plakatwand oder TV-Spot) zu überlassen, ist fatal!
Gerade jetzt, wo die Autoindustrie einen dramatischen Wechsel erfährt, das Auto als digitales “Mobile Device” geschaffen wird, das vernetzte und selbstfahrende Fahrzeug in wenigen Jahrzehnten Einzug hält, die urbanen Bürger auf das Auto als Eigentum verzichten. Gerade jetzt kommt es drauf an, digitale Produktbestandteile und Mobilitätskonzepte besser denn je zu kommunizieren. Das kann nicht allein das Werk der Presse- und Marketingabteilungen sein. Und ich habe nicht selten gehört, dass Produktmanager und Entwickler im Grunde keinen direkten Kontakt mehr zum Kunden haben, im Konzernalltag zu beschäftigt mit der Abarbeitung von Projekt-Tasks sind (wo wäre das nicht so, speziell in der ITK-Branche, wo Time to Market alles ist). Den Bodenkontakt zum Kunden zu verlieren, gerade bei den entscheidenen Stellen, ist brandgefährlich.
Mich wundert es, dass ein iPhone und ein Samsung S4 mehr News-Sex erzeugt als jedes PKW-Modell, das ungleich teurer und vollgestopfter mit brandneuer Technik daherkommt. Als Automanager würde ich mir ob dieser Entwicklung und Begehrlichkeitstrends größte Sorgen machen. Nicht, dass ein PKW eines Tages zu einem belanglosen Fortbewegungsmittel “bring mich von A nach B” verkommt. Der Margendruck wird steigen, die Markenaufschläge werden sich verflüchtigen.
Die “neue” E-Klasse ist ein sogenanntes “Facelift”. Also kein rundum erneuertes Auto, sondern an mehr oder weniger Stellen polieren Autohersteller das bestehende Produkt auf, um den Produktlebenszyklus zu verlängern. Bevor es ein ganz neues Modell gibt.
Bei der neuen E-Klasse wurde äußerlich eine komplett neue Haut drübergestüplt. Die Bilder findet Ihr weiter unten dazu. Ihr werdet schnell bemerken, dass das Design nicht mehr so altbacken-geschäftlich daherkommt, sondern sportlich-emotionaler. Ob das im Geschäftsbereich (78% Anteil an Neuzulassungen zur alten E-Klasse im Januar 2012) gut aufgenommen wird, nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, China und Russland? In Deutschland denke ich etwas kritischer, in anderen Ländern darf es ruhig mehr nach Prestige wirken. Und das tut es ja auch.
Technische Highlights
Kommen wir zu den technischen Neuheiten, die in die E-Klasse verbaut wurden. Daimler hat die Strategie verändert und kommuniziert dem Kunden gegenüber nicht mehr einzelne, technische Assistenzsysteme. Mittlerweile spricht der Hersteller von “Intelligent Drive” bzw. “Sensor Fusion”. Das sollen uns diese Grafiken verdeutlichen:
Warum macht das Daimler? Sie wollen und müssen dem Kunden klar machen, dass nicht mehr das einzelne System entscheidend ist, sondern das Zusammenspiel der Systeme. Das gesamtheitliche System sorgt für ein sichereres, bequemeres und entspannteres Fahren. Zumindest soll das die Botschaft sein, denn wer von den Daimlerkunden will und wird sich die Namen der zunehmenden Zahl an Einzelsystemen überhaupt noch merken? Bingo! Smarte Taktik von Daimler. Wir interessieren uns dennoch für die Einzelsysteme ;) Und schauen uns an, ob die Systeme wirklich so intelligent arbeiten, wie es das Attribut verspricht. Und mein Anspruch an Intelligenz ist schon immer sehr hoch gewesen, wenn das jemand von sich behauptet zu sein.
Also, lets go, ab zu den Einzelsystemen. Dazu zählt mein absoluter Topfavorit:
Die 360 Gradkamera
ist mein persönlicher Liebling. Es bietet dem Fahrer per Display eine Rundumansicht des Wagens. Das Bild wird aus mehreren Kameras und Ultraschall-Sensoren zusammengesetzt. So dass der Fahrer nach allen Seiten schauen kann, damit ihm beim Einparken oder sogar während der Fahrt in Parkhäusern das liebe Blechkleid weiterhin unbeschadet bleibt. Dazu ein kurzes Video, damit Ihr versteht wie großartig diese Technik ist!
Ich konnte das System auch in einem superengen Parkhaus testen. Mit unmöglichen Auf- und Abfahrten. Dank der 360 Grad Cam war das ein Klacks und ich gebe zu, dass ich an den kritischen Stellen fast nur noch durch die Kamera geschaut habe, nicht mehr durch die Windschutzsscheibe. Null Problem! Ein Muss beim Bestellen, denn es ist Sonderzubehör!
Der aktive Spurhalteassistent inkl. Stauverfolgung
Der Spurhalteassistent ist ein System, das in drei Anwendungsfällen zum Einsatz kommt. In Drei? Jau! 1. Landstraße: Der Fahrer überfährt eine durchgezogene Linie oder aber eine gestrichelte Linie mit entgegenkommenden Verkehr? Das System greift ein, warnt den Fahrer und lenkt den Wagen mit Bremseingriffen zurück auf die sichere Seite. Das ist aktives Lenken;) Für Landstraßenfahrer ein Horrorszenario, dass der Wagen wegen der eigenen Doofheit auf die Gegenspurt kommt. Das ist nun vorbei und gegessen. Solange der Fahrer nicht absichtlich den Wagen in den Gegenverkehr reinlenkt. Denn der Fahrer überstimmt immer das System. Ein Kritikpunkt: Sobald man irgendeine Linie auf engeren Landtrstraßen überfährt, vibriert das Lenkrad, ständig. Das nervt! Ob nun mit oder Gegenverkehr, es vibriert. Das ist zwar im Sinne des Erfinders, aber zuviel des Guten. Dann bleibt nur noch das komplette Abstellen? Leider ja. Es gibt keinen intelligenten Modus, der weiches Überfahren ignoriert, aber hartes Überfahren weit über die Spur oder gar mit Gegenverkehr immer mit Vibrieren bestraft.
2. Staufahren ist zum Kotzen. Kennt jeder. Entspannen kann man nicht, weil es immer nur stückchenweise weitergeht, solange man nicht im Superstau mit Vollsperrrung steht. Das System bedient sich einer hinter dem Innenspiegel eingebauten 3D-Kamera, die den Vordermann erkennt und sich den Wagen selbständig danach ausrichtet. Der Vordermann fährt nach links und macht die Rettungsgasse auf? Kein Problem. Dein Wagen gibt selbständig Gas, lenkt mit, bremst ab, kommt zum Stehen. Und weiter gehts, wieder automatisch Gas geben, bremsen, anhalten. Wenn der Vordermann die komplette Spur wechselt? Ist das System kein Doofie, sondern schaltet um zum nächsten Vordermann, richtet sich solange an der dann erkennbaren Fahrspur aus. Sprich? Ich will ja nicht dazu auffordern, aber Mails lesen, Zeitung lesen, Akten lesen, alles kein Thema. Das ist teilweise in heutige Mercedes-Modellen schon so, nur war das System nur teilautonom. Es lenkte nicht intelligent mit, es gab nur auf Kommando Gas, wenn der Vordermann vorfuhr. Speziell bei einem AUto wie der E-Klasse, das bekanntlich auf Reisestrecken glänzt, ist dieses System ungeschlagen. Bestellt Euch bloß das mit als Sonderausstattung. Ein klares Must Have!
3. Das zarte Mitlenken auf der Autobahn klappt auch. Allerdings war ich mit dem System nicht zufrieden. In mehrfacher Hinsicht nicht. Erstens, das System greift nur ein, wenn man nahe an die Spurbegrenzung kommt. Es fährt demnach mehr PingPong artig mit. Wünschenswerter wäre ein stetiges, mittiges Mitlenken so wie beim Honda Accord (dort LKAS genannt), das extrem gut funktioniert. Und das Daimler-System damit locker in die Tasche steckt. Zweitens – was sich bereits aus dem ersten Punkt schon erklärt – sind die progressiven Gegenkräfte des Systems teilweise sehr unangenehm. Man muss als Fahrer fast schon kräftig (subjektiv) gegenlenken. Auch hier fühlt sich das System des Honda Accords beim Mitlenken wesentlich eleganter, leichter an. Würde das System mittig zu bleiben versuchen, würden diese progressiven Lenkkrafteffekte gar nicht erst auftreten. Und drittens ist die Anzeige – ob das System die Fahrspur erkennt oder nicht, denn nur dann klappt es mit dem Mitlenken – dummerweise zu unauffällig klein und es ertönt kein Signal, sobald die Spur nicht erkannt wird. Auch hier ist das Honda-System eine ganze Klasse besser.
Zwei Grafiken dazu, oben das Daimler-System und das Honda-System. Die Anzeige im Daimler: das rot umrandete Winz-Lenkradsymbol wird grün, wenn das System die Spur erkennt.. alles andere zählt nicht dazu. Auch nicht die Spurliniensymbole, die Ihr mittig im Tacho sehen könnt. Das ist lediglich eine schematische Darstellung für den einstellbaren Abstand zum Vordermann. Warum Daimler dieses Symbolik nicht für die aktive Spurerkennung verwendet, ist mir ein Rätsel.
Das Anzeigesystem im Honda: Eine wesentlich prominentere Darstellung! Die beiden weißen, vertikal-durchgezogenen Linien im Tacho stellen das Signal für den Fahrer dar, dass die Spuren erkannt sind. Eventuell ist unterhalb des Autosymbols ein weißer, horizontaler Strich zu erkennen? Das repräsentiert ein Abstandsystem, das zum Vordermann automatisch den Abstand hält. Das über die Anzahl der Liniensymbole repräsentiert wird: 1 Linie = nah bis 3 Linien= weiter. Die vertikalen Linien wurden für die AKtivität des Spurhalteassistenten verwendet, sattt wie bei Daimler die Linien für das Abstandssystem zu verschwenden.. Honda hat da einfach besser gearbeitet.
Distronic-Plus
ist ein wunderbares System, das den Tempomaten mit einer automatischen Abstandshaltung koppelt. Auch ist das Lenksystem dann aktiv. Für Vielreisende ein unabdingbares System für entspanntes Fahren. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern hat Daimler eines ganz besonders gut gelöst: Sobald der langsamere Vordermann die Spur frei macht, wartet das System nicht zu lange, um endlich wieder Gas auf die per Tempomat voreingestellte Geschwindigkeit aufzunehmen. Das ist eine Krankheit, die bis dato alle Abstandssysteme haben. In der neuen E-Klasse reagiert das System quasi-menschlich. Es gibt zeitig Gas und nervt die Hinterleute nicht. Auch hatte ich den Eindruck, dass man nicht mehr so früh überholen muss, um ja nicht das automatische Abstandssystem zum Abbremsen zu bringen. Ebenfalls eine typische Krankheit der herkömmlichen Systeme anderer Hersteller. In der E-Klasse kann man quasi-menschlich nah genug heranfahren und dann überholen. Ohne einen zu frühen Eingriff des Abstandsystems. Nichts ist blöder als das kurz vor dem Überholvorgang einsetzende Bremsmanöver. Anbei eine Videodemo zum Distronic Plus inkl. Lenkassistenzdemo
Distronic-Plus Kritik
Jedoch haben wir auch hier etwas zu meckern. Intelligent Drive heißt für mich, dass es den Fahrer vor gefährlichen Situationen schützt. Was heißt das? Nehmen wir an, Du fährst auf einen langsameren Vordermann auf. Überholen geht nicht, da links von Dir ein Fahrzeug herandüst. Sobald der Vordermann die Autobahn verlässt, würde Dein Wagen wieder die voreingestellte Geschwindigkeit annehmen. Schön. Nur wenn Dich das Fahrzeug auf der linken Spur nur langsam überholt, fährst Du ihm unter Umständen rechts davon oder blockierst ihn sogar in seinem toten Winkel am Spurwechsel auf Deine Spur, da Du dann auf gleicher Höhe bist. Intelligent wäre, das Fahrzeug überholen zu lassen, das System “sieht es ja”. Und dann erst gibt das System wieder Gas. Also Achtung beim aktivierten Distronic-Plus. Ganz Zurücklehnen ist nie der Fall. Das gilgt übrigens auch für Baustellen. Obwohl das System eine Verkehrzeichenerkennung hat, würde es weiterhin an der Geschwindigkeit hängen, die der Fahrer voreingestellt hat. Auch hier: Du lässt den Wagen in die Baustelle einfahren, automatisch zum Vordermann abbremsen. Am Tempomat bleibst Du aber sagen wir mal auf 140. Sobald der Vordermann von dann fährt (Ausfahrt), gibt Dein Wagen kräftig Gas. Ne, das ist nicht intelligent! Hier hat Daimler noch Nachholbedarf mit “intelligent drive” (ebenso wie andere Hersteller, deren Systeme ebenfalls total dumm sind dahingehend).
Das Fahrende Auge: Die 6D Kamera
Ein absolutes Highlight ist die stereostokpische Kamera in der E-Klasse, die ursprünglich erst für die neue S-Klasse geplant war. Mithilfe dieses Systems “sieht” der Wagen in der Tat rund 50 Meter nach vorne scharf (systemintern sogar bis zu 500 Meter, nur wird das nicht mehr als entscheidungsrelevantes Sensorenset genutzt). In einer weitaus schärferen Auflösung als das menschliche Auge.
Um was zu sehen und um was zu machen? Vorausschauendes Fahren ist für uns alle extrem wichtig. Besonders im Stadtverkehr. Das System erkennt viel früher als das menschliche Auge, ob ein Radfahrer im Gegenverkehr das Rad nur leicht nach links bewegt, um womöglich Deinen Weg zu kreuzen. Es sieht ebenso, dass ein Kind auf die Fahrbahn zurennt. Und es sieht auch noch, dass in dem Moment ein Irrer von links auf die Kreuzung draufschießen wird. Als Fahrer hast Du dann keine Chance mehr! Aus und vorbei! Das System wird für die neue Fußgängererkennung und Kreuzungsproblematiken genutzt (die Assistenzsysteme werden PreSafe und BAS Plus genannt, wo das einfließt).
Die Stereokamera reagiert in realtime und bringt aufgrund der analysierten Daten den Wagen zum Stehen, wenn es sein muss (ab Geschwindkeiten unter 70 warnt es Dich, ab Geschwindigkeiten unter 50 bremst es zur Not komplett auf Null). Das sogenannte 6D Vision System basiert auf der Arbeit des Forschers Dr. Uwe Franke, der 20 Jahre lang daran gewerkelt und geschwitzt hat, ein sehendes Auge in das Automobil zu bringen. Ich hatte ihn im Daimler Forschungszentrum in Böblingen besuchen können und war umgehend von ihm, seinem Team und seiner Mission angetan. Auch von seiner Persistenz. Wer nur ein bisschen Vorstellungsvermögen besitzt, wird erahnen, wie Hölle schwer es sein muss, in Realzeit die Umgebung optisch zu verarbeiten und daraus auch noch Entscheidungen für das Fahrsystem abzuleiten. 20 Jahre sind dahingehend ein Klacks. Und der Durchbruch kam nicht auf einmal, sondern Stück für Stück (mit schnelleren Prozessoren und besseren mathematischen Berechnungsverfahren). Für mich eine kleine Revolution im Straßenverkehr. Endlich bringen Hersteller nicht nur sehende, sondern auch verstehende Systeme auf den Markt. Nochmals: Das System sieht nicht nur scharf, es kann tatsächlich Fahrbahnbelege unterscheiden, Hauswände von anderen stehenden Objekten, es kann Blätter genauso erkennen wie Papierfetzen. Und dabei handelt es sich nicht um popelige Mustervergleiche, indem das System intern Standardschablonen über das Realbild drüberlegt. Eine kleine Demo
Was in die neue E-Klasse leider nicht verbaut wurde, obwohl das mittels der Stereokamera möglich gewesen wäre, nennt sich Evasive Maneuvering: Das System erkennt ein Hindernis, bremst ab und weicht in die richtige Richtung (wir erinnern uns: Das System versteht, was sich in der Umgebung befindet) aus, selbständig, ohne Gegenkollisionen:
Genau dieses System werden wir bald eines Tages auf der Straße sehen!
Collision Prevention Assist
Auch was sehr Hübsches: Sobald ein Hintermann zu heftig auf Dich dranfährt, erkennt das System die Gefahr, strafft die Gurte und warnt den Hintermann mit heftiger Bremsblinkerei, dass der Blödmann bittschön endlich richtrig aufwachen und bremsen möge. Zudem werden die Bremsen festgeknallt, so dass Du nicht auch noch auf den Vordermann geschoben wirst. All das kann Dir helfen, den Stauunfall zu überleben. Daumendrück ;)
Geisterfahrerwarnung
Die Verkehrszeichenerkennung wurde um eine wesentliche Komponente erweitert: Wer auf die Autobahn auffährt und dabei zufällig zwei “Einfahrt Verboten”-Schilder übersieht, wird spätestens dann gewarnt. Das System erkennt nämlich anhand der Schilder, dass man drauf und dran ist, sich sein Leben und das Leben Dritter zu nehmen!
Die Sensoren
Das sind die unterschiedlichen Sensoren, die heute eines der modernsten Fahrzeuge verbaut hat und all die obigen Assistenssysteme mit Informationen versorgen:
Technik: Intelligentes Resümee?
Klar, wir konnten aufzeigen, dass die Sensoren noch nicht perfekt zusammenarbeiten, wenn wir von intelligent sprechen wollen. So gesehen gehört auch das automatische Bremsen vor Hindernissen dazu. Es ist noch ungelöst, den Zustand der Fahrbahn so zu messen – obgleich genügend Daten vorhanden wären -, dass je nach Situation der Wagen noch früher bremsen muss (Nässe, Schotter, Schnee, …). Es sind in der Regel Kompromisse, die getroffen werden mussten. Aus den Zielen, die man verfolgt. Beispiel: Wenn mit dem System X wenigstens Y Prozent der Kreuzugsunfälle verhindert oder die Folgen um den Faktor Z reduziert werden können, deckt das XYZ Prozent der Fälle ab. Besser würde es mit einer noch intelligenteren Abstimmung. Ok, es nennt sich Optimierung und Innovation. Alles auf einmal geht nicht. Dennoch gilt: Wer von Intelligent Drive spricht, musss sich daran auch messen lassen ;)
Und nun die versprochenden Bilder, wie die E-Klasse aussieht (habt Ihr doch eh schon vorher runtergesrollt:)
Disclosure
Ich bin seit jeher – von Kindesbeinen – ein bisserl Mercedes-Fan. Ich knie nicht vor dem Wagen. Schätze aber insgesamt sowohl die Art und Weise, wie Daimler Autos baut als auch das Image der Marke. Und bin stets froh, wenn ich die Gelegenheit bekomme, die Produkte eines der führenden Industriebetriebe Deutschlands begutachten zu dürfen. Zur E-Klasse Präsentation hatte mich Daimler nach Barcelona eingeladen. Die Flug- und Hotelkosten übernommen. Das Hotel war 1a, das Essen super, die Daimler-Mitarbeiter waren wie immer top drauf, bluten Maschinenöl, das Event war top durchorganisiert. Ich hoffe, all das hat dennoch mein Urteilsvermögen nicht getrübt. Ich bin und bleibe von der neuen E-Klasse begeistert. Jetzt bin ich auch im Gegensatz zur alten E-Klasse vom Aussehen angetan, das nicht mehr so altbacken daherkommt. Wäre ich Geschäftsreisender, die E-Klasse wäre eines meiner Topfavoriten im Fahrzeugpool.
Ihr wollt mehr Generelles zur E-Klasse?
Sie nennen sich Autoblogger, denen kann ich Euch gerne anvertrauen:
Da ich ja nicht selten über Autos schreibe, wird es Zeit für einen kleinen Überblick rund um den Automarkt. Es ist nicht unwichtig, ein Gefühl für die Zahlen zu bekommen, damit wir wissen, ob wir von “viel” oder “wenig” sprechen, wer im Grunde über Wohl und Wehe einer neuen Technologie entscheidet, auch wie es mit alternativen Antrieben und Digitaltechniken im PKW aussieht oder aber welche Folgen der zunehmende Einsatz modernster Digitaltechniken auf den Gebrauchtwagenmarkt und auf die Hersteller hat.
Die Daten lassen sich prima über das Kraftfahrtbundesamt einsehen. Im Bereich Statistik werdet Ihr fündig, wenn Ihr selbst suchen wollt.
Gesamtbestand
Schauen wir uns zunächst den Gesamtbestand der Fahrzeuge auf deutschen Straßen an. Laut KBA waren am 01.01.2013 ca. 61 Mio Fahrzeuge registriert, davon 52 Mio mit einem amtlichen Kennzeichen. Davon sind 65% = 43 Mio PKWs. Das Durschnittsalter eines Fahrzeugs beträgt 8,7 Jahre!
Heißt? Nahezu jeder Haushalt besitzt im Durchschnitt ein Auto, kann sich allerdings einen Neuwagen selten leisten. Wieviele Haushalte es gibt? 40 Millionen Privathaushalte. In denen laut Bundesamt für Statistik ca. 81 Mio Menschen leben (2 Personen pro Haushalt). Könnte sich denn jeder Haushalt einen Neuwagen leisten? Wohl kaum, denn 2010 betrug das durchschnittliche Bruttoeinkommen privater Haushalte monatlich 3.758 Euro, allerdings liegt der Median (=exakt bei dem 20 Millionsten Haushalt) bei 1.772 Euro pro Monat. Das ist dann nicht mehr so prickelnd.
Geschäftswagen- vs. Privatwagennutzung
Das ist auch der Grund, warum die große Mehrheit aller Neuzulassungen auf Firmen angemeldet wird (das Verhältnis zwischen Privatzulassungen zu Neuzulassungen beträgt rund 1:2). So verwundert es auch nicht, dass ausgehend vom Gesamtbestand aller Fahrzeuge 90 % privat genutzt werden (Privatkäufer bedienen sich mehrheitlich auf dem Gebrauchtwagenmarkt), Neufahrzeuge werden mehrheitlich betrieblich genutzt. Heißt? Vater Staat subventioniert den Neuwagenmarkt mit erheblichen Steuergeldern, da ein Geschäftswagen betrieblich absetzbar ist (Instandhaltungskosten, Wertverfall und Treibstoffkosten).
Alternativantriebe, Ebbe bei E-Autos
Der Anteil der Fahrzeuge am Gesamtbestand, die nicht mit Benzin/Diesel befeuert werden, ist verschwindend gering. E-Autos: 7.114 (0,02%)
Hybrid-Autos: 64.995 (0,15%)
Gas-Autos: 571.061 (1,33%)
Zu erwähnen sei, dass nahezu 100% aller E-Autos geschäftlich genutzt werden, um der Firma eine grünen Anstrich zu geben. Privat nutzt ein E-Auto so gut wie niemand in Deutschland!
Gebrauchtwagenmarkt / Neuwagenmarkt
Insgesamt wurden 2012 fast 10 Mio PKWs gehandelt.
Knapp 7 Millionen (70%) davon waren gebrauchte Personenkraftwagen.
An Neuwagen (30%) wurde 3 Mio PKWs zugelassen,
davon 1.2 Mio Wagen privat (38,2%) und 1.9 Mio PKWs gewerblich (61,2%).
Heißt? Insgesamt wurden 2012 knapp 8 Mio Privat-PKWs gehandelt und verkauft,
der private Neuwagenanteil am Gesamthandel betrug demnach lediglich 14,7%.
Eine genaure Aufschlüsselung nach Haltergruppen findet ihr in dieser Statistik.
Neuzulassungen und Topmodelle Januar 2013
Wie oben schon erwähnt, überwiegt der Anteil der gewerblich genutzten Neuzulassungen erheblich. Anbei ein Schaubild der 50 am häufigsten zugelassenen PKWs im Januar 2013, sortiert nach Neuzulassungen
Wenn wir uns aber anschauen, welche Wagen davon gewerblich genutzt werden, dreht sich das Ranking erheblich. Es tauchen ganz andere Modelle oben auf (sortiert nach Anteil gewerblicher Zulassungen). Manche Modelle werden nahezu ausschließlich gewerblich zugelassen, allen voran die teureren PKW-Modelle.
Erwähnenswert sei, dass von den Premiummarken Audi, BMW und Daimler lediglich Daimler mit der A- und B-Klasse auf knappe 50%-Quoten im Privatsegment kommt.
Wie schlägt sich Deine Marke?
Ein kleiner Tipp: Wenn Dich Deine Marke interessiert, schau bitte bei KFZ-Betrieb vorbei, die bieten eine wunderbare Datenbank an, was die Neuzulassungsstatistiken angeht.
Beispiel BMW, Neuzulassungen Januar 2013: Entwicklung der Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahresmonat: +9.11%
davon Händler- und Werkszulassungen
(30% des Monatsvolumens / +1.98% zum Vorjahresmonat) 4937
davon Zulassungen durch Vermieter
(16% des Monatsvolumens / -11.56% zum Vorjahresmonat) 2671
davon sonstige gewerbliche Zulassungen
(31% des Monatsvolumens / +14.97% zum Vorjahresmonat) 5101
davon private Zulassungen
(22% des Monatsvolumens / +35.37% zum Vorjahresmonat) 3659
Anteil des Fabrikats am Neuwagen-Gesamtmarkt: 8,52%
Technologische Konsequenzen
Wenn wir demnach von technologischen Veränderungen sprechen, so können wir auf dem deutschen Markt nicht immer nur von privater Akzeptanz reden. Eigentlich liegt das Gegenteil vor: Die gewerblichen Kunden entscheiden mehr oder minder in 2/3 Mehrheit, welche Technologien frisch auf den Markt kommen und 3 Jahre später – nach Ablauf des üblichen Leasingzeitraums – in den Gebrauchtwagenmarkt diffundieren. Auf der anderen Seite kommt die große Frage auf, wie es sich mit den unterschiedlichen Technologien – allen voran der zunehmenden Digitalisierung – bei einem Gebrauchten in 8 bis 9 Jahren verhält? Wirkt diese positiv auf den Käufer oder schon längst veraltet, wenn er das veraltete Computerdisplay mit archaisch anmutender Softwareoberfläche blickt? Werden die Hersteller die Softwaremodule auch in 5 bis 10 Jahren auffrischen und nachladen? Oder gibt das die Hardware einfach nicht mehr her? Wie bei einem veralteten iPhone, das die neueste Facebook-App nicht mehr laden kann?