Da ich ja nicht selten über Autos schreibe, wird es Zeit für einen kleinen Überblick rund um den Automarkt. Es ist nicht unwichtig, ein Gefühl für die Zahlen zu bekommen, damit wir wissen, ob wir von „viel“ oder „wenig“ sprechen, wer im Grunde über Wohl und Wehe einer neuen Technologie entscheidet, auch wie es mit alternativen Antrieben und Digitaltechniken im PKW aussieht oder aber welche Folgen der zunehmende Einsatz modernster Digitaltechniken auf den Gebrauchtwagenmarkt und auf die Hersteller hat.

Die Daten lassen sich prima über das Kraftfahrtbundesamt einsehen. Im Bereich Statistik werdet Ihr fündig, wenn Ihr selbst suchen wollt.

Gesamtbestand
Schauen wir uns zunächst den Gesamtbestand der Fahrzeuge auf deutschen Straßen an. Laut KBA waren am 01.01.2013 ca. 61 Mio Fahrzeuge registriert, davon 52 Mio mit einem amtlichen Kennzeichen. Davon sind 65% = 43 Mio PKWs. Das Durschnittsalter eines Fahrzeugs beträgt 8,7 Jahre!

Heißt? Nahezu jeder Haushalt besitzt im Durchschnitt ein Auto, kann sich allerdings einen Neuwagen selten leisten. Wieviele Haushalte es gibt? 40 Millionen Privathaushalte. In denen laut Bundesamt für Statistik ca. 81 Mio Menschen leben (2 Personen pro Haushalt). Könnte sich denn jeder Haushalt einen Neuwagen leisten? Wohl kaum, denn 2010 betrug das durchschnittliche Bruttoeinkommen privater Haushalte monatlich 3.758 Euro, allerdings liegt der Median (=exakt bei dem 20 Millionsten Haushalt) bei 1.772 Euro pro Monat. Das ist dann nicht mehr so prickelnd.

Geschäftswagen- vs. Privatwagennutzung
Das ist auch der Grund, warum die große Mehrheit aller Neuzulassungen auf Firmen angemeldet wird (das Verhältnis zwischen Privatzulassungen zu Neuzulassungen beträgt rund 1:2). So verwundert es auch nicht, dass ausgehend vom Gesamtbestand aller Fahrzeuge 90 % privat genutzt werden (Privatkäufer bedienen sich mehrheitlich auf dem Gebrauchtwagenmarkt), Neufahrzeuge werden mehrheitlich betrieblich genutzt. Heißt? Vater Staat subventioniert den Neuwagenmarkt mit erheblichen Steuergeldern, da ein Geschäftswagen betrieblich absetzbar ist (Instandhaltungskosten, Wertverfall und Treibstoffkosten).

Alternativantriebe, Ebbe bei E-Autos
Der Anteil der Fahrzeuge am Gesamtbestand, die nicht mit Benzin/Diesel befeuert werden, ist verschwindend gering.
E-Autos: 7.114 (0,02%)
Hybrid-Autos: 64.995 (0,15%)
Gas-Autos: 571.061 (1,33%)
Zu erwähnen sei, dass nahezu 100% aller E-Autos geschäftlich genutzt werden, um der Firma eine grünen Anstrich zu geben. Privat nutzt ein E-Auto so gut wie niemand in Deutschland!

Gebrauchtwagenmarkt / Neuwagenmarkt
Insgesamt wurden 2012 fast 10 Mio PKWs gehandelt.
Knapp 7 Millionen (70%) davon waren gebrauchte Personenkraftwagen.
An Neuwagen (30%) wurde 3 Mio PKWs zugelassen,
davon 1.2 Mio Wagen privat (38,2%) und 1.9 Mio PKWs gewerblich (61,2%).

Heißt? Insgesamt wurden 2012 knapp 8 Mio Privat-PKWs gehandelt und verkauft,
der private Neuwagenanteil am Gesamthandel betrug demnach lediglich 14,7%.

Eine genaure Aufschlüsselung nach Haltergruppen findet ihr in dieser Statistik.

Neuzulassungen und Topmodelle Januar 2013
Wie oben schon erwähnt, überwiegt der Anteil der gewerblich genutzten Neuzulassungen erheblich. Anbei ein Schaubild der 50 am häufigsten zugelassenen PKWs im Januar 2013, sortiert nach Neuzulassungen
Top 50 Neuzulassungen Januar 2013

Wenn wir uns aber anschauen, welche Wagen davon gewerblich genutzt werden, dreht sich das Ranking erheblich. Es tauchen ganz andere Modelle oben auf (sortiert nach Anteil gewerblicher Zulassungen). Manche Modelle werden nahezu ausschließlich gewerblich zugelassen, allen voran die teureren PKW-Modelle.
Top 50 Neuzulassungen Januar 2013

Erwähnenswert sei, dass von den Premiummarken Audi, BMW und Daimler lediglich Daimler mit der A- und B-Klasse auf knappe 50%-Quoten im Privatsegment kommt.

Wie schlägt sich Deine Marke?
Ein kleiner Tipp: Wenn Dich Deine Marke interessiert, schau bitte bei KFZ-Betrieb vorbei, die bieten eine wunderbare Datenbank an, was die Neuzulassungsstatistiken angeht.

Beispiel BMW, Neuzulassungen Januar 2013:
Entwicklung der Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahresmonat: +9.11%
davon Händler- und Werkszulassungen
(30% des Monatsvolumens / +1.98% zum Vorjahresmonat) 4937
davon Zulassungen durch Vermieter
(16% des Monatsvolumens / -11.56% zum Vorjahresmonat) 2671
davon sonstige gewerbliche Zulassungen
(31% des Monatsvolumens / +14.97% zum Vorjahresmonat) 5101
davon private Zulassungen
(22% des Monatsvolumens / +35.37% zum Vorjahresmonat) 3659
Anteil des Fabrikats am Neuwagen-Gesamtmarkt: 8,52%

Technologische Konsequenzen
Wenn wir demnach von technologischen Veränderungen sprechen, so können wir auf dem deutschen Markt nicht immer nur von privater Akzeptanz reden. Eigentlich liegt das Gegenteil vor: Die gewerblichen Kunden entscheiden mehr oder minder in 2/3 Mehrheit, welche Technologien frisch auf den Markt kommen und 3 Jahre später – nach Ablauf des üblichen Leasingzeitraums – in den Gebrauchtwagenmarkt diffundieren. Auf der anderen Seite kommt die große Frage auf, wie es sich mit den unterschiedlichen Technologien – allen voran der zunehmenden Digitalisierung – bei einem Gebrauchten in 8 bis 9 Jahren verhält? Wirkt diese positiv auf den Käufer oder schon längst veraltet, wenn er das veraltete Computerdisplay mit archaisch anmutender Softwareoberfläche blickt? Werden die Hersteller die Softwaremodule auch in 5 bis 10 Jahren auffrischen und nachladen? Oder gibt das die Hardware einfach nicht mehr her? Wie bei einem veralteten iPhone, das die neueste Facebook-App nicht mehr laden kann?

Update: Automarkt Deutschland 2013

Blogger seit 2003. Technikaffin, neugierig, am technischen Wandel der Zeit interessiert, Anhänger und Skeptiker des Fortschrittsglaubens. Track Record meiner ex-Blogs: MEX-Blog 2003-2005 (Wirtschaftsblog), WoW-Blog 2005-2009 (Gamingblog), 321Blog 2007 (eBay), BasicThinking 2003-2009 (Tech&Startups). Aktive Blogs: RobertBasic.de seit 2009 und Buzzriders.com seit 2011.

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