Der Mensch rühmt sich seiner technischen Errungenschaften. Schön. Er hatte auch genug Zeit, lumpige hunderttausende Jahre Anlauf zu nehmen, um uns in eine Verbrennungsmaschine zu setzen, die ihn schneller befördert. Er hatte entdeckt, dass er Metall in Bewegung versetzen kann, indem er in einem abgeschlossenen Hohlraum hundertfaches Feuer in Sekundenbruchteilen entzündet. Er hatte entdeckt, dass man bloß Wasser mittels der Spaltung von Atomkernen erhitzen muss, das Metall in Bewegung versetzt, nur um letztlich ein Objekt zum Leuchten zu bringen. Wir nennen es Strom. Schön und wow. Wir haben hunderttausende von Jahren gebraucht, um zu entdecken, dass wir mit etwas technischer Zauberei Maschinen dazu bringen können, unsere menschlichen Signale weltweit in Bewegung zu versetzen. Wir nennen es Television, Telefon und Telekommunikation. Wow und schön.

Mehr als etwas Energie und Maschinen braucht es nicht, um Menschen immer schneller in Bewegung zu versetzen. Unser Wissen, unsere Signale, unsere gesamte Art. Heute rühmen wir uns des Internets als Speerspitze der menschlichen Weiterentwicklung. In das all unser Wissen und all unsere menschlichen Signale hineinfließen.

Doch was verbirgt sich dahinter? Was heißt das schon groß? Heißt es, dass wir Musik aus der Dose vor echter Musik bevorzugen? Wenn Du schon jemals Musik live und körperlich gespürt und gehört hast, kennst Du den gewaltigen Unterschied zu Dosenmusik. Wie wir als Mensch, der sich jeden Tag milliardenfach durch Leitungen zwängen lässt und womöglich glaubt, dass er mittels Bildern, Sprache und Ton sich seiner selbst am anderen Ende der Leitung ist.

Bin ich das, der in Twitter 20.000x Robert war? Bin ich das, der in Facebook 10.000x Teil einer HTML basierenden Timeline war? Bin ich das, der sich 20.000x auf einer Webseite namens Blog der elektrischen Leitungen bedient hat? Weiß jemand, wer ich bin? Wie ich bin? Wie ich atme und lebe? Was wisst Ihr von mir? Ihr habt mich 10 Jahre lang jeden Tag gesehen, im Netz? Ihr könntet mich 100.000x empfangen, auf Euren Bildschirmen, dennoch wisst ihr nichts von mir. 100.000 Texte und Bilder ergeben nur einen Dosen-Robert. Ein Fragment meiner selbst. So fern und so weit weg von mir.

Es bringt sogar manche Menschen dazu, etwas zu sein, was sie nicht sind. So zu sprechen, wie sie nicht sind. Wichtig, groß, laut, schrill, schräg, schnell. Und andere werden immer lauter, schneller, smarter, schlauer, wichtiger, größer. Warum? Wir wollen sprechen und gehört werden. Nichts besonderes, einfach nur gehört werden. Der Maschine ist das egal, dem Menschen nicht. Der eine veröffentlicht Bilder vom Essen? Der nächste macht die Bilder schöner, der übernächste noch schöner. Der eine schreibt von seinem Alltag. Der nächste von seinem noch besseren Alltag und der übernächste schreibt es wie Gott. Der eine schreibt Witze, der nächste noch bessere, der übernächste lässt sie professionell schreiben. Sind wir denn so gaga? Wir werden zu den Maschinen, die immer schneller und besser laufen als wir. Wir passen uns an die Maschine an, um gehört und gelebt zu werden. Eigentlich sollte es anders herum sein.

Und das soll unsere Zukunft sein? Eine sich immer schneller drehende Scheibe von elektrischen Signalen, die Menschen darstellen sollen? Das soll uns voranbringen, wo wir nicht einmal einen Einzelnen wirklich zusammensetzen können? Geschweige denn 7 Milliarden von uns Individuen. Wenn wir nicht mal ein Individuum verstehen können, wie sollen wir uns dann in der Summe verstehen? Und darauf bauen wir unsere Zukunft, die maximal falsch und unkomplett klingt? Dort soll unser Wissen gelagert werden? Dort soll unsere Wirtschaft die Ernährung aller Menschen sicherstellen? Dort sollen womöglich eines Tages Menschen leben, mehr als im Realen?

Es gibt nur einen Weg: Das Internet von heute muss so schnell wie nur möglich verschrottet und auf der Müllhalde der Geschichte entsorgt werden. Wir sind weder HTML-Wesen noch in Dosen gepresste, geladene Elektronenfragmente, die auf einem simplen Bildschirm wieder zusammengesetzt werden. Wie sähe das aus, wenn Scotty Cpt. Kirk beamen würde und von Kirk nicht mehr als das Foto seines Gesichts erscheint? Die Klingonen würden sich totlachen. Ärmliche Kohlenstoffwesen!

Wir können uns nicht mit dieser archaischen „Verbrennungsmaschine namens Internet, die Feuer im Hohlraum erzeugt, um ein Metallgestänge in Bewegung zu versetzen“ zufrieden geben. Wir dürfen es nicht als die Krone der menschlichen Erfindungsgabe betrachten. Es ist nur ein kleinster Anfang, der uns in 100 Jahren wie die Erfindung des Feuers mittels kohlenstoffhaltigen Rohstoffen („Holz und Kohle“) lächerlich erscheinen wird.

Es muss durch eine Version ersetzt werden, die den Menschen in ungeahnter Komplettheit übertragen, vermitteln und verstehen lassen kann. Ohne elektronischen Verkürzungen und Modulationen, die wir populär Timeline, Blogposting und YouTube-Videos nennen.

Wenn wir das nicht tun, werden wir uns den Maschinen und ihren schrecklichen Vereinfachungen anpassen. Denn das können wir ohne Weiteres. Unser Intellekt bietet uns jederzeit diese Möglichkeit. Wir sprechen schon heute facebookisch, googleplussig, twitterianisch. Das klingt schräg, künstlich und erbärmlich angesichts der gesamten Schönheit unseres Seins.

Wir können vereinfacht, verkürzt, schnellschnell werden oder komplex, komplett und zu jeder Zeit mit dem richtigen Tempo übermittelt werden. Wir entscheiden es.

Blogger seit 2003. Technikaffin, neugierig, am technischen Wandel der Zeit interessiert, Anhänger und Skeptiker des Fortschrittsglaubens. Track Record meiner ex-Blogs: MEX-Blog 2003-2005 (Wirtschaftsblog), WoW-Blog 2005-2009 (Gamingblog), 321Blog 2007 (eBay), BasicThinking 2003-2009 (Tech&Startups). Aktive Blogs: RobertBasic.de seit 2009 und Buzzriders.com seit 2011.

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